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aKademy Interview: Bernhard Reister, FSFE

Tom Chance (TC) hat Bernhard Reiter (BR) von der FSFE zum Gespräch getroffen. Das Interview steht in englischer Sprache auf der KDE Nachrichtenseite dot.kde.org zur Verfügung. Nicole Hofmann hat das Interview ins Deutsche übertragen - vielen Dank dafür!

In seinem Vortrag beim diesjährigen KDE-Entwicklertreffen aKademy, feierte Bernhard Reiter von der Free Software Foundation Europe (FSFE) nicht nur den Software Freedom Day, sondern erinnerte die KDE Community auch daran, wofür Free Software steht.

Die FSFE wurde 2001 gegründet, um die Entwicklung freier Software zu fördern und zu verteidigen und um die nationalen Free Software Organisationen europaweit zu koordinieren. Bernhard ist der Vorsitzende der deutschen Free Software Organisiation und ist seit deren Gründung dabei. Ich wollte wissen, was er zur KDE Community zu sagen hat und traf ihn nach seinem Vortrag, um ihm ein paar Fragen zu stellen. Wen’s interessiert, hier sind seine Antworten:

 

TC: In deinem Vortrag hast du auch von der Bedrohung durch Softwarepatente und DRM (mit deinen Worten: Damn Restriction Management) gesprochen. Welche Problembereiche wird die Free Software Bewegung deiner Meinung nach in den nächsten Jahren noch angehen müssen?

BR: Zunächst werden uns die großen Probleme der Softwarepatente und der digitalen Rechteverwaltung für viele Jahre beschäftigen. Natürlich gibt es auch andere Dinge, aber die betreffen eher die laufenden kurzfristigen Projekte. Wir gehen davon aus, dass es noch weitere Angriffe von Seiten der Gesetzgebung und der Politik gegen die Free Software geben wird, können aber noch nicht absehen, wie diese aussehen werden.

Der wichtigste Aspekt, den ich hier noch einmal hervorheben möchte, ist, dass wir die Leute und vor allem natürlich die Politiker weiter über Free Software aufklären müssen. Wir müssen klarmachen, wie wichtig Free Software für die Welt ist, besonders im Hinblick darauf, wer die Kontrolle über die Technologien hat und wie sich das auf unser Leben auswirkt. Wenn uns das gelingt, müssen wir nicht mehr so viel Zeit dafür verschwenden, Angriffe abzuwehren, weil mehr Leute uns helfen würden.

 

TC: Besonders in Europa gibt es viele Regierungen, die die Verwendung von Free Software vorantreiben. Welche Rolle können Projekte wie KDE und Organisationen wie die FSFE in dieser Entwicklung übernehmen?

BR: Nicht jeder interessiert sich für Politik und ich glaube, dass viele sich nur für die technische Seite begeistern und einfach nur Software entwickeln wollen. Andererseits bräuchten wir natürlich mehr Leute, die sich politisch für Free Software engagieren. Zumindest sollte es auch Leute geben, die sich verantwortlich für die Entwicklung der Dinge fühlen und ihre Augen aufhalten. Sie sollten z.B. wissen, welche Demonstrationen oder Lobbyarbeit beispielsweise zum Thema Softwarepatente ablaufen.

Die Entwickler der Free Software Community sollten jedenfalls immer daran denken, dass Quellcode Gesetze beeinflussen kann. Wenn der Code jemanden daran hindert, eine bestimmte Aktion auszuführen, kontrolliert er diese Person. In Projekten wie KDE, die bereits recht ausgereift sind, sollten die Entwickler immer den User im Visier haben und so versuchen, die Free Software noch benutzerfreundlicher zu gestalten. Auch die Softwareentwicklung kann sich somit auf die Politik auswirken.

 

TC: Ein wichtiger Aspekt der freien Software ist die Benutzerfreundlichkeit. Obwohl KDE derzeit in mehr als 80 Sprachen übersetzt wird, gibt es noch Hunderte mehr Sprachen, die allgemein gesprochen und noch nicht abgedeckt werden. Wie kann eine Gemeinde von Freiwilligen, sowohl bei KDE als auch in der FSFE, dieses Problem angehen?

BR: KDE-Entwickler leisten schon insoweit Abhilfe, dass sie Teil eines ständigen Verbesserungsprozesses bezüglich der Internationalisierung und Lokalisierung sind. Was Free Software Organisationen angeht, so gibt es, abgesehen von der FSFE in Europa und der FSF in Nordamerika, keine weiteren Organisationen, die so gut eingeführt sind. Wir hoffen, dass wir dies ändern können, wollen im Gegenzug aber weder Geld noch Hilfe von Regierungen und Unternehmen, auch wenn dies für die Internationalisierung äußerst hilfreich wäre. Wir wollen aber vor allem unsere Unabhängigkeit und die Möglichkeit, Free Software zu fördern nicht aufs Spiel setzen. Wir müssen unsere finanziellen Mittel vorsichtig und vor allem gezielt einsetzen.

Die Richtung, die die Free Software einschlägt, sollte durch Wettbewerb und Usernachfrage bestimmt werden und nicht von Regierungen gesteuert werden.

 

TC: Aber meinst du nicht, dass Regierungen dort eine große Rolle spielen müssen, wo auf dem Markt noch keine lokalisierten Versionen angeboten werden können, und besonders dort, wo ein Großteil der Bevölkerung kein Englisch spricht?

BR: Ja, natürlich sollte die Regierung eines Landes daran interessiert sein, das kulturelle und sprachliche Erbe ihres Landes zu erhalten. Dort, wo der Markt keine lokalisierten Versionen bietet, ist sie sogar dazu verpflichtet.

 

TC: Zurück zur Software. Gibt es Dinge, vor allem auf dem Free Software Desktop, die die Entwickler besonders dringend in Angriff nehmen müssen?

BR: Es ist schwer zu sagen, was noch fehlt, bevor wir versuchen, die Entwicklung unserer Software auf die Zielmärkte auszurichten. Wir werden daher wesentlich schlauer sein, sobald GNU/Linux von mehr Unternehmen entwickelt wird. Ich habe allerdings Angst, dass viele Desktops zusätzlich proprietäre Software in ihre Systeme integrieren, in den Bereich, in denen die Free Software noch nicht verfügbar oder noch nicht gut genug ist, das ist eben bequemer. Proprietäre PDF-Reader und das MP3-Format sind ein Beispiel dafür, dass es freie Alternativen gibt (KGhostView und Ogg Vorbis z.B.). Außerdem werden viele proprietäre Tools verwendet, um Free Desktops zu entwickeln, beispielsweise werden von vielen Icon Artists proprietäre Vektorbearbeitungsprogramme verwendet. Wir sollten darauf hinarbeiten, dass solche Anwendungen nicht mehr benötigt und erst recht nicht mehr gewünscht werden.

Ich für meinen Teil würde es begrüßen, wenn Unternehmen mit einer guten Geschäftsidee für private Desktopuser mehr Aufmerksamkeit erhielten. Die FSFE hat eine Initiative namens GNU Business Network gestartet, die hier Abhilfe schaffen könnte, wenn wir hierfür mehr finanzielle Unterstützung bekämen. Die Gesellschaft braucht Unternehmen, aber sie sollte nicht nur durch Unternehmensinteressen gelenkt werden. Die Gesellschaft sollte eher die ethischen Grundsätze festlegen, nach denen Unternehmen zu handeln haben. Free Software Desktops könnten Teil der Entwicklung einer solchen ethischen Geschäftsidee für Free Software sein.

 

TC: Sollten Projekte wie KDE die Förderung der Free Software und auch weiterer Lizenzen wie der GNU GPL noch weiter vorantreiben?

BR: Das ist eine strategische Sache. Ja, das KDE-Projekt sollte Freiheit nicht nur durch die Verwendung von freien Lizenzen (wie die GNU GPL) fördern, sondern auch mit Partnern und der Öffentlichkeit darüber sprechen. Manchmal ist es jedoch strategisch besser, eine Lizenz mit kleinerem Schutzumfang zu verwenden (die GNU LGPL z.B., um eine größere Akzeptanz zu erzielen).

Qt unter Windows bleibt für uns ein Problemfall, weil es nicht unter einer freien Lizenz erhältlich ist. KDE tut alles, um die Entwicklung von proprietärer KDE-Software durch die Freigabe seiner Libraries unter der LGPL zu ermöglichen. Das könnte eine gute Strategie sein - ich will das nicht komplett verurteilen - aber das Ganze stellt die KDE-Entwickler auch vor praktische Probleme, denn sie können den GNU GPL Code nicht für die Core Libraries und die Module verwenden, die eine Ausnahme von der Qt-Lizenz benötigen, wenn sie unter der GNU GPL verwendet werden. Welcher Code bei KDE in welches Modul einfließt, wird durch dieses Erfordernis festgelegt und kommt nur den proprietären KDE-Anwendungen zugute.

KDE sollte sich einmal vor Augen führen, wie viel es Trolltech gegeben hat, dessen Erfolg zu einem großen Teil auf dem Erfolg von KDE aufbaut. Vielleicht kann KDE Trolltech dazu bringen, die Windows-Version seines Toolkits unter die GPL zu stellen. Die derzeitige Regelung ist auch nicht unvernünftig, aber KDE sollte selbstbewusst genug sein, zu wissen, dass man mit Trolltech auf gleicher Ebene steht und entsprechend verhandeln kann.

 

TC: Bernhard, danke für das Gespräch.

BR: Kein Problem. Es ist gut, immer mehr User über Freiheit aufzuklären. Ich möchte noch sagen, dass es ein gutes Zeichen ist, das die FSFE zum Entwicklertreffen aKademy eingeladen wurde und dass KDE und FSFE ein gutes Verhältnis haben. Wir begrüßen eine zukünftige Zusammenarbeit.

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