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Anwendung des Monats April 2005 - KPDF!

Klaus Stärk hat Albert Astals Cid via Mail über KPDF befragt.


Albert Astals Cid

1. Albert, Du bist der Vertreter von KPDF, einer eher neuen Anwendung in der KDE-Familie. Lass uns doch bitte wissen, wer Du bist und wie Du bei KPDF eingestiegen bist.

Ich bin 23 Jahre alt und befinde mich im letzten Jahr im Informatikstudium, das ich am FIB (UPC) absolviere. Seit Sommer 2002 übersetze ich KDE ins Katalanische. Ein bisschen später bagann ich auch mit entwickeln. Zu KPDF kam ich im Sommer 2004 und begann mit der Übertragung der Kerndateien, so dass diese die xpdf 3.0 Codebasis benutzen und nicht mehr die 2.x Version. Dies bewirkte, dass das Rendern an Qualität gewann.

2. Wer sollte auch noch erwähnt werden, wenn wir über KPDF sprechen? Was ist ihr Job in dem Projekt?

Wilco Greven und Christophe Devriese waren die ursprünglichen Entwickler von KPDF. Sie haben das Projekt gestartet.
Enrico Ros nahm meine Codebasis und schrieb sie fast komplett neu, so dass es möglich sein sollte, auch zukünftige Formate zu unterstützen. Dazu schrieb er noch nette Funktionen wie die scrollbare Ansicht.
Jakub Stachowski hat in letzter Zeit auch noch Funktionspatches beigetragen, wie etwa den, dass fontconfig nach externen Schriften sucht neben denen, die im xpdf Code enthalten sind.

3. Das PDF-Format ist ja sehr weit verbreitet, doch es ist ein geschlossenes Dokumentformat. In der Open Source Welt gibt es ja sehr viele Versuche von sogenanntem "Rückwärtsengineering", um PDF für die UNIX Welt zu ermöglichen.
Trotzdem existieren immer noch Probleme mit PDF unter Unix-artigen System, wie etwa, dass Originaldateien von Adobe Acrobat viel kleiner sind. Was kann hier getan werden, um das Benutzen von PDF-Dokumenten in Zukunft auch unter UNIX zu fördern?

Nun, ich bin mir nicht sicher, was Du mit dem geschlossenen Format meinst, da http://partners.adobe.com/public/developer/en/pdf/PDFReference16.pdf die komplette Spezifikation des PDF 1.6 Formats enthält. Es ist in dem Falle keine offene Software, dass alleine Adobe entscheidet, wie die Entwicklung des PDF-Formats in Zukunft weitergeht, doch Sie ist nicht so geschlossen, dass es Rückwärtsengineering braucht, um einen Ersteller / Betrachter zu schreiben.

4. Wir besitzen verschiedene PDF-Betrachter für Linux wie etwa den Adobe Acrobat Reader, xpdf oder KGhostview. Warum brauchen wir also noch eine PDF-Anwendung?

Nun, der Acrobat Reader ist keine freie Software, so dass er für manche Leute schon einmal entfällt. xpdf enthält eine gute Renderingroutine, doch ist das Benutzerinterface so schlecht, dass es viele Benutzer nicht mögen. kghostview hat auf der anderen Seite ein sehr schönes grafisches Benutzerinterface, doch ist xpdf einfach bessern im darstellen. Daher füllt KPDF die Lücke mit einer ansprechenden Benutzerschnittstelle und einem guten xpdf im Hintergrund.

5. Soeben ist KDE 3.4 erschienen. Was können wir vom jetzigen Release erwarten und wie sieht die Zukunft aus?

Nun, kpdf 0.4, die Version, die mit KDE 3.4 ausgeliefert wird, enthält viele neuen Funktionen wie suchen, kontinuierliche Ansicht, kopieren von Text und Bildern, benutzen von kttsd um Text vorzulesen usw.
Doch der folgende englische Link drückt unsere Meinung aus: Beitrag auf dot.kde.org. KDE 3.4 schon alt? Nun, zur Zeit arbeiten wir an einem Schriftendialog für KPDF.
Dazu arbeiten wir daran, KWallet für eine Passwortspeicherung zu benutzen für passwortgeschützte Dokumente und dazu möchten wir Enrico auffordern, den coolen Splashscreen zu implementieren. Er arbeitet auch noch daran, dass man Anmerkungen zum Dokument hinzufügen kann.

6. So viel ich weiss ist KPDF "nur" ein PDF-Betrachter. Arbeitet ihr eigentlich schon daran, aus ihm auch einen PDF-Schreiber zu machen? Würde dies denn überhaupt Sinn machen?

Das Schreiben von PDF ist nicht einfach. Es haben uns nun schon viele Personen angefragt, ob wir dies nicht doch hinzufügen könnten, doch meiner Meinung nach würde dies am Sinn von KPDF vorbeigehen.

7. Politiker, Ökonomen und auch Softwareentwickler diskutieren hart über das Einführen von Softwarepatenten in Europa. Wie ist Deine Meinung dazu? Wärst Du persönlich davon betroffen?

Nun, Softwarepatente sind schlecht für jeden Entwickler. Grosse Firmen haben hier wenig Probleme, da diese nicht miteinander kämpfen. Ihre Patente werden zwar von den anderen Grossen verletzt, doch tun sie das gleiche.
Es ist ähnlich wie mit Nuklearwaffen. Grosse Länder besitzen sie, um sich sicher zu fühlen vor anderen grossen Ländern, die auch welche haben und beide schüchtern somit die kleineren Länder ein.
Nun sieht man immer mehr Länder, die Verträge unterschreiben, keine solchen Waffen zu fabrizieren und ich hoffe, dass es mit den Softwarepatenten gleich geht und sie nicht mehr und mehr akzeptiert werden.

8. Albert, Du lebst in Barcelona, in Spanien. Welche Rolle spielt quelloffene Software in Deinem Land? Wie ist die Position der Regierung freier Software gegenüber?

Nun, es gibt sehr unterschiedliche Meinungen. Viele Leute wissen gar nichts über freie Software. Andere meinen, dass ihr die Zukunft gehöre, obwohl sie sie nicht selber benutzen.
Die Verwaltung ist bei uns vielfach autonom und sie versuchen, unterschiedliche Distributionen zu nutzen. Die Landesverwaltung sagt, sie möchte neutral bleiben, was bedeutet, dass Sie geschlossene Software nutzen werden, denn die setzen Sie bis jetzt ein.

9. Dieses Jahr wird das KDE-Treffen in Deinem Land stattfinden, in Malaga. Wird man Dich dort auch antreffen?

Ich hoffe es sehr, doch es kommt auf den Termin an.

10. Hattest Du schon die Möglichkeit, andere KDE-Entwickler im realen Leben zu treffen?

Eigentlich wollte ich an die letzte Akademy gehen, doch konnte ich nicht. Daher kenne ich noch keine anderen KDE-Entwickler persönlich.

11. Vielleicht kannst Du ja unseren Lesern ein paar Tipps geben, welche Plätze man denn alles noch besuchen sollte, wenn man in Spanien weilt. :-)

Andalusien (die Region, in der Malaga liegt) hat viele berühmte Denkmäler und Gebäude durch die Muslime. Ich war selber noch nie in Malaga, doch in den umliegenden Städten wie Sevilla, Corboda und Granada gibt es Monumente noch und noch. Von diesen dreien ist Granada und die Alhambra (Weltkulturerbe) mein Favorit.

12. KDE ist die Kurzform von "K Desktop Environment". Hast Du einen witzigen Namen, den wir anstelle dessen verwenden könnten? :-)

Nee, ich bin eigentlich nicht so ein spassiger Mensch und daher ist KDE für mich einfach KDE.

13. Welche UNIX/Linux Distribution benutzt Du für Deine Arbeit und warum?

Normalerweise benutze ich MandrakeLinux in der letzten stabilen Version (zur Zeit 10.1). Es ist eigentlich die einzige Distribution, die ich wirklich benutzt habe und da sie eigentlich ganz vernünftig funktioniert, habe ich auch keinen Grund, etwas zu ändern.

14. Lass uns etwas mehr über Dich persönlich wissen. Hast Du eine Familie? Haustiere? Wieviel Zeit verwendest Du für KDE?

Ich bin nicht verheiratet und habe zur Zeit auch keine Freundin, hoffe aber, dass sich dies früher oder später ändert :-D Ich lebe noch bei meinen Eltern. Ich besitze zwar keine Haustiere, doch eine paar Plüschtiere auf dem Monitor (ich zähle gerade vier Stück), das sind auch Tiere, werden aber nicht schmutzig :-D.
Die Zeit, die ich in KDE investiere hängt davon ab, wie es im restlichen Leben so läuft, doch eine Stunde täglich ist sicher eine gute Schätzung.

Albert, wir von AotM-Team wünschen Dir noch alles gute für die Zukunft und danken Dir vielmals für das Interview!


Albert Astals Cid ist per E-Mail unter der Adresse tsdgeos @terra.es zu erreichen. Das Interview zur Anwendung des Monats KPDF führte Klaus Stärk in englischer Sprache. Ins Deutsche übertragen von Markus Grob.

Eine Kurzbeschreibung zu KPDF finden Sie an dieser Stelle.

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