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Anwendung des Monats - KuickShow!

Interview mit dem Autor von KuickShow, Carsten Pfeiffer:

 

Wie bist Du an dieses Projekt geraten? Wie ist es entstanden?

Als ich von Windows zu Linux wechselte musste ich leider feststellen, dass kein Bildbetrachter auch nur im entferntesten meinen Gewohnheiten entsprach, die von ACDSee geprägt waren. Da ich noch nicht programmieren konnte, ärgerte ich mich nur darüber, ohne etwas dagegen tun zu können.

Enthusiastisch beobachtete ich die Entwicklung von KView, musste jedoch bestürzt feststellen, dass offensichtlich der Dinosaurier xv dafür Pate stand. Xv besitzt zwar viele Funktionen, ist aber zum selbst einfachen Browsen von Bildern viel zu umständlich.

Irgendwann stieß ich auf ein Announcement der "Imlib", einer Bibliothek, die das Laden und Darstellen von allen möglichen Bildformaten ermöglichen sollte. Meine Programmierkenntnisse waren zwar noch ziehmlich bescheiden, aber die Motivation, endlich einen vernünftigen Bildbetrachter zu bekommen, war hoch. Und so ging es los.

 

Bildbetrachtungsprogramme gibt es ja mittlerweile einige. Was hat Dir bei den anderen Programmen gefehlt, dass Du Dich an eine Neuentwicklung gemacht hast und was zeichnet Deiner Meinung nach KuickShow im Vergleich mit anderen Programmen aus (für alle, die noch nicht das Vergnügen hatten, damit arbeiten zu können ;-) )?

Als ich 1998 mit KuickShow anfing, war die Auswahl noch recht dürftig -- xv war damals state of the art. Heute hätte ich mich wahrscheinlich mit anderen Programmen zufrieden gestellt. Meine Hauptkriterien waren damals und sind bis heute:

Das Programm muss

  • schnell starten
  • Bilder möglichst schnell anzeigen
  • von einem Bild zum nächsten springen können (im aktuellen Verzeichnis)
  • Verzeichnisse browsen und einfache Dateioperationen bieten (insbes. Löschen)
  • gängige Darstellungsfeatures bieten (Zoom, Helligkeit ändern, ...) und dabei möglichst einfach bedienbar sein. Insbesondere sollte nicht Feature auf Feature aufeinandergestapelt werden, wie es mit ACDSee passiert ist, das von einem einfachen, schnellen Bildbetrachter zu einer langsamen, komplexen Anwendung mutiert ist.

Wichtig ist mir auch eine gute Tastatursteuerung, da ich eher ungern herumklicke :-)

 

Arbeitest Du alleine an KuickShow oder sollte man noch andere Leute erwähnen?

Ich entwickle KuickShow hauptsächlich allein, habe in letzter Zeit aber eine Reihe von Patches/Bugfixes geschickt bekommen. Unglücklicherweise habe ich noch nicht die Zeit gefunden, sie alle zu integrieren. Es ist aber kein Patch verloren gegangen, alle noch ausstehenden werden in Bälde bearbeitet.

 

Wird KuickShow in irgendeiner Form gesponsort?

Meine Eltern haben mich bis zum Abschluss des Studiums finanziell unterstützt. KuickShow ist hauptsächlich zwischen zweitem und sechsten Semester entstanden :-)

 

Du hast geschrieben, dass Du über die Weihnachtsfeiertage etwas mehr Zeit hast und ein paar neue Ideen in KuickShow umsetzen möchtest. Auf welche neuen Funktionen, bzw. Verbesserungen dürfen wir uns denn freuen?

Ich bin habe mich lange über das schlechte Preis/Leistungsverhältnis von Digitalkameras geärgert, bin aber vor einigem Monaten doch assimiliert worden. Will heißen, meine Fotosammlung wird schnell wachsen und ich werde es nicht lange aushalten, immer erst den Memorystick zu mounten, die Bilder zu kopieren und erst dann anzusehen. Das ganze werde ich in KuickShow automatisieren.

Der Masse an Bildern wird man wohl nur durch vernünftige Klassifizierung Herr. Kimdaba werde ich mir mal genauer ansehen und überlegen, ob man es mit KuickShow koppeln kann. Alternative ist die Integration der inhaltsbasierten Bildersuche in KDE.

Außerdem möchte ich, dass KuickShow auch Filme abspielen kann.

 

Wie sehen Deine weiteren Pläne für KuickShow aus?

Ich habe noch einige kleinere Features hier und da in petto, aber mein Hauptziel ist "keep it small, fast & simple". Ich will kein generisches Bilderprogramm, das alles kann, aber keiner benutzt, weil es zu langsam und zu umständlich ist.

 

Hast Du (außer KuickShow ;-) ) irgendwelche Lieblingsprogramme unter KDE?

Lieblingsprogramme wäre übertrieben, aber gern benutze ich Umbrello, K3B, KGet, kteatime, kmoon und noatun.

 

KuickShow wurde auch unter der GPL veröffentlicht. Was denkst Du über "Open Source"? Hast Du noch nie darüber nachgedacht, Deine Software kommerziell zu verbreiten?

Über Open Source kann man tagelang diskutieren, darum erwähne ich hier nur kurz die für mich als Softwareanwender und Informatiker besonders interessante Seite.

Durch Open Source werden Programme "weicher", sie sind keine starre Sache, die man im Laden kauft und die nur genau so funktioniert, wie der Hersteller es sich ausgedacht hat. Selten gibt es ein Programm, welches haargenau alle Ansprüche erfüllt. Mit Open Source hat man die Möglichkeit, das Programm an seine eigenen Bedürfnisse anzupassen.

"Kommerziell vertrieben" haben Thorsten Westheider und ich vor einiger Zeit eine ISDN-Software für KDE 1.x namens kISDN. Die Kosten zum Testen neuer Features überstiegen leider unser Studentenbudget, wodurch wir auf die Idee kamen, das Programm als Shareware zu vertreiben.

 

Wie stellst Du Dir den "Desktop der Zukunft" vor? Wie weit sind wir noch davon entfernt?

Ich stelle mir einen "informationsbasierten" Desktop vor. Konzepte, die durch technische Gegebenheiten entstanden sind (z. B. Dateien, Disketten und all die Dateioperationen dazu) gibt es nicht mehr. Dokumente werden anhand von Attributen / Stichworten lokalisiert, unterstützt durch eine "recently-used" und "most-often-used" Liste (ich verstehe nicht, warum es noch kein Handy mit einer "most-often-called" Anruferliste gibt -- warum muss ich mich immer durch's Adressbuch oder die sich ständig ändernde "recently-called" Liste hangeln?).

Man ruft keine Anwendungen auf, sondern gibt eine Tätigkeit an, die man durchführen will. Die Durchführung der Tätigkeit ist nicht nur ortssensitiv, sondern auch empfängersensitiv (wenn ich mit jemandem kommunizieren will, hängt es sowohl von mir als auch vom Partner ab, ob das synchron oder asynchron abläuft. Ob eine Nachricht über das Internet, Mobilfunk, Telefonnetz oder sonstiges versendet wird, hängt von meinen aktuellen Möglichkeiten ab -- ob die Nachricht dann als SMS, Mail, Anruf, ICQ-Message oder wie auch immer empfangen wird, entscheidet der Empfänger.

Da es keine Dateien gibt, müssen diese auch nicht verschickt oder übetragen werden, sie sind einfach von überall aus verfügbar. Zum Versenden eines Dokuments wird nur an den Empfänger eine Berechtigung zum Abruf erteilt. Wo, wie und wann dieser das Dokument erhält entscheidet er.

In 5-7 Jahren sollte so etwas schon machbar sein, schätze ich mal optimistisch :)

 

Wie sieht die Hard- und Software aus, mit der Du arbeitest?

Momentan ist das ein Athlon XP 1700+ mit 512 MB -- jegliche Peripherie hier aufzuzählen ist eher ermüdend, denke ich... für den Job habe ich seit kurzem ein schickes Dell Latitude D600 Notebook, das jeden erdenklichen Schnickschnack beinhaltet :-)

 

Erzähl' doch ein bißchen über Dich - was machst Du beruflich? Wie verbringst Du Deine Freizeit?

Ich arbeite als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Fraunhofer FIRST in Berlin und beschäftige mich mit dem Thema Softwaretechnik im Allgemeinen und Aspektorientierung sowie Eclipse (www.eclipse.org) im Speziellen. Momentan bedeutet das einerseits Forschung und andererseits eine Menge Java-Code zu hacken :-)

Um das auszugleichen, lasse ungern eine Trendsportart aus ;-) Schon als Kleinkild war eines meiner Lieblingswörter "Balllllll" und so ist es mir auch heute egal, ob es ein Basketball, Handball, Squashball oder Federball ist, dem ich hinterherjagen kann.

Ansonsten verreise ich gern oder habe Spaß mit Freunden, beim Drachen steigen lassen, Klettern, Film gucken, Party-machen... oh und natürlich programmieren für KDE :-)


Carsten Pfeiffer ist per E-Mail unter der Adresse pfeiffer@kde.org zu erreichen. Das Interview zur Anwendung des Monats KuickShow führte Andreas C. Diekmann.

Eine Kurzbeschreibung zu KuickShow finden Sie an dieser Stelle.

[ Edit ]

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