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Anwendung des Monats Mai 2004 - KMPlayer!

Interview mit dem Autor von KMPlayer, Koos Vriezen

(das Interview wurde vom Englischen ins Deutsche übersetzt):

 

Wann hast Du mit der Arbeit an KMPlayer begonnen?

Ende 2002. Da gab es einen Thread auf kde-devel über eine graphische Oberfläche für MPlayer. Da ich schon eine Weile etwas laufen hatte, veröffentlichte ich es und fing an, es zu verbessern.

 

Was ist die ursprüngliche Idee hinter KMPlayer?

Ich brauchte einen Test-KPart für einen Liveconnect-Text. Ich implementierte die Java<-> Javascript Kommunikation der Version 3.1 von KHTML und wollte, dass es allgemein für alle KParts zur Verfügung stand. Ich hatte einen Patch für Kaboodle aber Neil mochte ihn nicht, so sah ich mich nach etwas anderem um. Zunächst probierte ich KGhostview aber das funktionierte zu der Zeit noch nicht. Später entdeckte ich die -wid und -slave Optionen des MPlayers und so begann ich KMPlayer als mein Test-KPart zu nutzen. Nach der Version 3.1.1, wurde KJAS ebenfalls ein KPart. Die Pflege dieser beiden Teile half mir die Plugin-Merkmale so allgemein zu halten, dass anderen Teile sie im Prinzip auch nutzen konnten.

 

Du bist als einziger Autor aufgeführt. Stammt KMPlayer von Dir alleine? Gibt es da noch jemanden, den man erwähnen sollte, wenn man von KMPlayer spricht?

Von Joonas Koivunen stammen die Postprocessing-Optionen von MPlayer und er gestaltete auch den Konfigurationsdialog neu, in Form eines Verzeichnisbaumes, anstelle von Karteireitern. Verschiedene KDE Entwickler haben kleinere Lösungen beigetragen und Dirk Müller Build-Lösungen. Und natürlich die Übersetzungen der KDE Übersetzer.

 

Erhäst Du in irgendeiner Form finanzielle Unterstützung für KMPlayer?

Nein aber wenn es Wege gäbe, welche zu bekommen :-). Aber im Ernst, die meiste Ehre gebührt den MPlayer/Xine und ffmpeg Leuten. Sie haben unglaubliche Arbeit geleistet, mit der Unterstützng all dieser Formate. Natürlich auch vielen Dank an die KDE Kernentwickler und die GNU und Linux Hacker, die dies erst möglich gemacht haben.

 

Wie hast Du Deine Programmierkenntnisse erlangt?

Ich programmiere, seit mein Vater mir einen C64 gekauft hat. Während meines Studiums - um Mathematik/Physik Lehrer zu werden - gab es eine Programmierklasse. Aber ich nahm das Programmieren erst richtig ernst, nachdem ich nach zwei Jahren als Lehrer beschloss, meinen Beruf zu wechseln (bevor ich ergraute). Ich erinnere mich, wie ich 92/93 meine ersten C/C++ Übungen unter Linux machte und auch mein erstes Projekt, das letztendlich mit djgpp für DOS kompiliert wurde. Nach meiner zweiten und (momentanen) dritten Beschäftigung habe ich C/C++ Programme für Windows und Linux entwickelt und als Linux System- und Netzwerkadministrator gearbeitet.

 

Wie intensiv entwickelst Du KMPlayer weiter? Was sind Deine zukünftigen Pläne für KMPlayer?

Ich bin momentan nicht sehr aktiv. Es gibt da ein paar Dinge, die für Xine getan werden müssen, so dass die Aufnahme und Fernsehen auch funktionieren, wenn jemand nicht MPlayer benutzt. Wiedergabelisten sollten auch noch hinzugefügt werden. Und die Aufnahme sollte mehr Optionen bieten. KMPlayer sollte dem Benutzer ein paar mehr Informationen über den Titel/Autor/... liefern.

Lauter Kleinigkeiten, deren Umsetzung nicht sonderlich spannend ist. Ich glaube, das ist auch der Unterschied, wenn man Dinge nur zum Spaß tut oder für eine Arbeit bezahlt wird. Jetzt gibt es auch KPlayer und Kaffeine. Nachdem, was ich über sie gelesen habe, sind sie beliebter. Deshalb konzentriere ich mich jetzt auch mehr auf das Plugin. Aber trotzdem, wenn mir eine Idee kommt, werde ich diese sicher implementieren. Z.B. las ich über die coole Audio-Visualisierung in Kaffeine und dachte: "Hmmm das will ich auch aber wie stelle ich das an mit einem externen Xine Player" (KMPlayer ist nicht gegen die Xine Bibliotheken gelinkt sondern benutzt ein selbstgeschnitztes Executable (KXineplayer), das im KMPlayer eingebettet ist). Und so gab es eine neue Herausforderung und ich begann sie zu implementieren unter Verwendung von QDom, was noch neu für mich ist.

Eine andere Sache ist das Aussehen von KMPlayer. Wenn ich KMPlayer mit Quicktime/RealPlayer/WMP vergleiche, frage ich mich, ob Standard GUI-Widgets für Bildschirmzwecke taugen (ich meine keine Dialog-Fenster). Z.B. der Positionsbalken sieht meiner Meinung nach ziemlich hässlich aus. Die kleinen Kontrollknöpfe sind ebenfalls größer, als sie eigentlich sein müssten und eindeutig hässlicher, als die kommerziellen. Die Entwicklung von Amarok ist hierbei sehr interessant.

 

KMPlayer wurde unter der GPL veröffentlicht. Was denkst Du über "Open Source"? Hast Du nie daran gedacht, Deine Software kommerziell zu vertreiben?

Ich nutze nun schon mehr als 10 Jahre selbst Open Source Software und habe sehr viel davon gelernt. Und dann bin ich natürlich auch selbst Programmierer.

Ich glaue nicht, dass von einem kommerziellen KMPlayer auch nur ein Exemplar verkauft worden wäre :-). Ich habe nichts gegen kommerzielle Software aber unter Linux ist es einfach sehr schwierig mit den ganzen Freiwilligen und von Distributionen bezahlten Leuten zu konkurrieren. Andererseits nützt einem Linux sehr in Kundenprojekten, da es die Kosten niedrig hält, alle möglichen (Netzwerk) Dienste bietet und sehr einfach zu erweitern ist. Mit Open Source Software findet man, wenn man Probleme hat, wenigstens heraus, warum etwas nicht so wie erwartet funktioniert.

 

Wie stellst Du Dir den "Desktop der Zukunft" vor? Wie weit sind wir noch davon entfernt?

Wenn ich einmal auf die letzten zehn/fünfzehn Jahre zurückblicke, gab es keine großen Änerungen in der Art, wie wir mit dem Desktop interagieren (naürlich sieht jetzt alles viel schöner aus). Die einzige große Änderung, zumindest für die Privatbenutzer, ist das Internet. Für Firmen wird das Netz auch wichtiger. In unserer Firma sehe ich eine Bewegung hin zu mehr Netzwerk- und Gruppenanwendungen. Gründe hierfür sind, dass Software, die auf Clients installiert ist möglicherweise nach einem Update nicht mehr richtig funktioniert, langsamer wird oder zu viele Ressourcen belegt.

Ich hoffe, dass das auch mit Standardanwendungen, wie Office-Anwendungen passiert. Und das wird vielleicht der Desktop der Zukunft sein, ein Browser. Möglicherweise öffnen wir eines Tages z.B. eine bezahlte Spielseite, um zu spielen, anstatt das Spiel zu kaufen und von CD-ROM zu installieren. Ich bin mir bewußt, dass dies keine neue Idee ist und das dies schon passiert. Außerdem wird der PC immer mehr ein Kommunikationsmedium, der das Telefon/Radio/TV ersetzt (oder sollte ich sagen, dass das Fernsehen/Radio/Telefon der Zukunft unser nächster PC sein wird).

 

Was denkst Du über den den aktuellen Stand der Multimedia-Anwendungen unter KDE?

Für meine Zwecke (Fernsehen/DVD/Web und CDs brennen) denke ich, dass ich mich nicht über die Software, aus der ich auswählen kann beklagen kann (auch wenn ich immer noch xawtv benutze aber inzwischen gibt es ein stabiles kdetv). Systemklänge nerven meiner Ansicht nach. Zu oft höre ich einen Systemklang eines Ereignisses, dass schon eine halbe Sekunde vorbei ist. Ich kenne noch keine Videobearbeitungs- oder Audioaufnahme-Software unter KDE. Es wäre schön, diese ganzen Anwendungen irgendwo aufgelistet zu finden. http://multimedia.kde.org zeigt, soweit ich weiß nur was es in KDE-Multimedia gibt.

KMPlayer nutzt arts, zur Lautstärkeregelung. Ich habe bemerkt, dass das Linken gegen die arts Bibliotheken KMPlayer etwa zweimal langsamer starten läßt. Deshalb kann man dies mit der "--disable-arts-volume" verhindern. Ich habe noch nicht herausgefunden, warum es langsam wird aber es wäre schön ein "leichteres" Interface für den Sounddaemon zu haben.

 

Wie sieht Deine momentane Hardwarekonfiguratin aus und welche Software setzt Du für Deine tägliche Arbeit ein?

Zuhause habe ich einen P4-2.4 GHz mit FC-1 und SuSE (ich habe vergessen, welche Version) Dual Boot. Ich habe auch noch einen K6-300 MHz mit SuSE und Debian Dual Boot und einen 486-33 MHz mit einer selbstgeschnitzten busybox/uclibc Ramdisk Firewall. Um KMPlayer zu testen steht mir DVD/CD-ROM/TV-Karte/USB-Webcam/ADSL-Internet/10-Mbit-LAN zur Verfügung. Ich habe keine bestimmte Software installiert, außer der, die mit meiner Linux Distribution mitgeliefert wurde.

 

Erzähl' doch ein bißchen über Dich selbst - was machst Du beruflich? Wie verbringst Du Deine Freizeit?

Ich arbeite für eine kleine Firma hier in der Nähe. Wir arbeiten in Industrie-Automation. Ich unterstütze hauptsächlich die PLC Programmierer mit Einwahl- und Netzwerk-/Remote- Diensten, indem ich Konsolen-Werkzeuge schreibe und serielle/Netzwerk-Kommunikations-Werkzeuge. Ich habe auch einige Steuersoftware mit seriellem, digitalem I/O und/oder TCP-Netzwerkunterstützung. Zur Zeit arbeite ich an einer coolen v4l vision Anwendung. In meiner Freizeit lese ich sehr viel, über das Internet heutzutage. Ich treibe auch gerne Sport, Laufen und Badminton. Natürlich gehe ich auch gerne mal ein Bier trinken und ich tanze auch gerne (nachdem ich ein bißchen getrunken habe).


Koos Vriezen ist per E-Mail unter der Adresse koos.vriezen@xs4all.nl zu erreichen. Das Interview zur Anwendung des Monats KMPlayer führte Jasper van der Marel. Übersetzung ins Deutsche von Andreas C. Diekmann.

Eine Kurzbeschreibung zu KMPlayer finden Sie an dieser Stelle.

[ Edit ]

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