Anwendung des Monats September 2004 - Kig!
Interview mit dem Autor von Kig, Dominique Devriese:
Wann hast Du zum ersten Mal von KDE gehört?
Mein Bruder hat mir vor etwa 3 Jahren GNU/Linux gezeigt - und ich war von Anfang an begeistert davon. KDE war Bestandteil dieser Linux-Installation. Und zu dieser Zeit hatte ich schon den Eindruck, dass KDE der beste unter den verfügbaren Desktops ist - und dieser Eindruck hat sich seither weiter verstärkt ;-)
Wie und wann hast Du begonnen, am KDE-Projekt mitzuarbeiten?
Mein CVS Account datiert vom 3. April 2002. Ich hatte zu dieser Zeit vom KDE-EDU-Projekt erfahren und vorgeschlagen, das Programm, an dem ich arbeite auch zum entsprechenden CVS-Modul hinzuzufügen. Ich durfte mein Programm (Kig) in das kdenonbeta-Modul einstellen (was wohl so eine Art Wartezimmer für neue KDE-Anwendungen ist). Nach ein paar Monaten wurde Kig dann in das kdeedu-Modul verschoben und war dann auch offizieller Teil der KDE-Distribution.
Ich hatte zuvor auch schon an verschiedenen anderen KDE-Programmen herumgespielt, allerdings war Kig mein erstes richtiges Projekt.
Wieviel Zeit verbringst Du für das KDE-Projekt?
Das variiert - zwischen 0 und 12 Stunden am Tag, als Durchschnitt sind es wohl etwa 3 Stunden am Tag, vielleicht auch etwas weniger.
An welchen Teilen von KDE arbeitest Du noch?
Vornehmlich ist das Kig, mein Geometrieprogramm, das zur Familie der KDE-Lernprogramme gehört. Aber ich beschäftige mich auch damit, Debian-Pakete für kdebindings zu bauen.
Wann hast Du mit Deiner Arbeit an Kig begonnen und was war die Motivation dafür?
Das war vor etwas 2 oder 3 Jahren. Ich hatte einfach Spass am Programmieren und in der Schule verwendeten wir kommerzielle Software für den Mathematik-Unterricht. Seither war es mein Bestreben, diese Software durch Kig abzulösen.
Waren bei der Entwicklung von Kig noch weitere Personen am Projekt beteiligt?
Ja sicher, es waren insgesamt etwa 20 Personen an der Entwicklung von Kig beteiligt. Die wichtigsten dabei sind drei Italiener:
- Maurizio Paolini, ein italienischer Professor, der neben verschiedenen anderen Dingen viel mathematischen Code zu Kig beigesteuert hat,
- Pino Toscano, der verschiedene Punkt- und Linienstile hinzugefügt hat und
- Franco Pasquarelli, der ebenfalls viel mathematischen Code zu Kig beigesteuert hat.
Hast Du bestimmte Ziele mit Kig? Und können wir uns auf neue Funktionen in Kig freuen?
Es gibt schon einige Pläne für Kig. So kann man sich (längerfrisitig) auf Exportfunktionen für Java und Flash, KOffice-Integration und neue Ansichten-Modi freuen.
Kig wurde unter der GPL veröffentlicht. Aus der Dokumentation (die Du selbst geschrieben hast) geht hervor, dass Du Beiträge anderer Benutzer sehr schätzt. Was ist Deine Einstellung gegenüber Open Source? Warum findest Du es wichtig, Kig unter der GPL-Lizenz zu vertreiben?
Weil es für alle Beteiligten viel angenehmer ist - und es ist grossartig, in seiner Freizeit eine Software zu schreiben und aus aller Welt Reaktionen darauf zu bekommen - begonnen bei 12jährigen Schülern bis hin zu Professoren.
Beschreibe bitte den Rechner mit dem Du arbeitest (Hardware, bevorzugte Software)
Hardware ist mir nicht so wichtig - es sei denn, sie bereitet Probleme. Ich habe einen ganz normalen Durchschnitts-PC. Meine bevorzugte Software ist XEmacs, Gnus, Zsh, LaTeX, Gnuplot, verschiedene KOnsolenwerkzeuge, G++, Boost, Screen, Konqueror und Elinks.
Mit der Zeit gewöhnt man sich an die Werkzeuge und ich kann wirklich sehr schnell und effizient damit arbeiten.
Konntest Du andere Anwender (zum Beispiel in Deiner Familie) schon davon überzeugen, auf KDE umzusteigen?
Meine Eltern benutzen einen Rechner mit Debian Linux und KDE 3.1. Alleine das Preisargument war sehr überzeugend für sie - und mein Bruder und ich haben ihnen erklärt, dass KGX (KDE/GNU/Linux) für sie viel einfacher zu handhaben ist und für uns viel besser zu pflegen.
Was denkst Du, welcher Teil von KDE am erfolgreichsten ist?
Schwierige Frage :) Ich muss zugeben, dass ich KDE als solches nicht sehr intensiv nutze. Ich bin eher der (X)Emacs-Typ, der KDE-Software schreibt. Ich benutze ansonsten Konqueror als Browser und mini-CLI (auch besser bekannt als Tastenkombination ALT-F2). Aber wenn ich "Teil von KDE" etwas weiter fassen darf, dann ist wohl der erfolgreichste Teil von KDE die Community der Benutzer und Entwickler mit netten Plätzen wie zum Beispiel kde-look, der Kanal #kde-devel auf irc.kde.org und verschiedene Mailinglisten.
Was fehlt KDE am meisten?
Ximian. ;) Man kann über Miguel sagen, was man will - aber seine Firma leistet eine Menge für GNOME. Eine ähnliche Firma wäre für KDE sehr hilfreich ...
Was können wir von KDE 3.3 erwarten?
Für Kig sind einige Dinge geplant oder auch schon erledigt: Überarbeitung von Properties, Importfunktionen, Verbesserung von Python Scripting und vieles mehr.
Bezüglich KDE verweise ich besser auf den Feature-Plan. Abgesehen von der Kiosk-Oberfläche gibt es dieses Mal keine wirklich spektaktulären Veränderungen. Allerdings viele neue kleine Features und viele Verbesserungen.
Was kannst Du Leuten empfehlen, die auch gerne zu KDE beitragen möchten?
Wer C++ lernen will, sollte auf jeden Fall die vorhandenen Dokumentationen auf developer.kde.org beachten, sich ein nettes Projekt suchen, ein bisschen daran arbeiten und die anderen Entwickler kontaktieren. Nach einer Weile findet man dann einen Weg und seinen Platz in der Community.
Wer lieber Sachen übersetzen möchte, kann das Übersetzerteam kontaktieren. Wer grafisches Talent besitzt, sollte sich kde-look.org anschauen, wo eine sehr lebhafte Gemeinschaft an grafischen Dingen arbeitet.
Erzähle uns ein bisschen mehr über die Person, die hinter Dominique Devriese steht?
Die Person, die hinter Dominique Devriese steht, ist meine Mutter, die mir neugierig über die Schulter schaut ;) Nun, ich bin Student (Informatik und Mathematik) mit einem breiten Interesse: ich lese Bücher (zur Entspannung versteht sich, keine langweilige Mathematik-Literatur ;)), ich programmiere, studiere, treffe mich mit meinen Freunden. Und ich versuche mich ständig mit etwas möglichst Angenehmen oder Nützlichem zu beschäftigen.
Bevorzugter Platz?
Zu Hause in meinem bequemen Sessel :)
Bevorzugtes Essen?
Pizza!
Bevorzugte Distribution?
Debian (wie langweilig, ich weiss ... ;))
Richard Stallman or Linus Torvalds?
Stallman. Selbst wenn es nur deshalb ist, weil ein Visionär wie Stallmann interessanter erscheint als ein Technokrat wie Linus :)
Dominique Devriese ist per E-Mail unter der Adresse devriese@kde.org zu erreichen. Das Interview zur Anwendung des Monats Kig führte Fabrice Mous. Ins Deutsche übertragen von Klaus Stärk.
Eine Kurzbeschreibung zu Kig finden Sie an dieser Stelle.
[ Edit ]
KDE für deutschsprachige Benutzer