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Anwendung des Monats Oktober 2004 - KAddressbook!

 
Klaus Stärk hat Tobias König in Ludwigsburg auf der KDE-Veranstaltung aKademy getroffen und dieses Interview über KAddressbook mit ihm geführt. Tobias König
 

Tobias, bitte stelle Dich kurz vor, was ist Deine Rolle im KDE-Projekt?

Ich bin Tobias König, 22 Jahre alt, Informatikstudent - derzeit wohnhaft in Dresden. Ich betreue KAddressbook, die Adressbuch-Anwendung für KDE und arbeite an den "darunterliegenden" kabc-Programmbibliotheken.

Ein weiterer Wirkungsbereich ist Kontact und Fehlerbereinigungen in allen möglichen KDE-Anwendungen.

 

Wann hast Du mit Deiner Arbeit an KAddressbook begonnen?

Anfang 2002 laß ich eine E-Mail von Ralf Nolden, in der er das Problem beschrieben hat, dass es so viele offene Aufgaben im KDE-Projekt gibt, die keinen zuständigen Betreuer haben. Also habe ich Ralf per E-Mail kontaktiert und nachgefragt, was denn genau zu tun ist. Ralf verwies mich auf die Verteilerliste in KAddressbook, dessen Benutzeroberfläche ein Redesign dringend nötig hatte. Der Rest ergab sich dann so ...

 

KDE 3.3 wurde erst kürzlich veröffentlicht - gibt in diesem Zug Neues über KAddressbook zu berichten?

KAddressbook verfügt nun über zwei unterschiedliche Arten von benutzerdefinierten Feldern. Die einfachere Version ist die, dass ein Benutzer eine Feldbeschreibung und einen Feldtyp angeben kann. In der erweiterten Version hat der Benutzer die Möglichkeit, via Qt Designer vollständige Formulare zu entwerfen und diese in die Kontaktverwaltung zu integrieren.

Eine weitere wichtige Verbesserung ist die LDAP-Unterstützung in KAddressbook. Sie verfügt nun auch über Verschlüsselung sowie einen Offline-Modus.

Eine Funktion, die ausserdem erwähnenswert ist, ist eine vereinfachte Möglichkeit, die Adressbücher auszuwählen, die in KAddressbook angezeigt werden sollen.

Für weitere Details zur neuen Version von KAddressbook empfehle ich einen Blick auf das KDE 3.3 Changelog.

 

Kannst Du uns etwas darüber berichten, über was wir uns in zukünftigen Versionen von KAddressbook freuen dürfen?

Die meisten Änderungen wird es wohl in kabc geben, nicht in KAddressbook selbst. So planen wir zum Beispiel, die Verarbeitung großer Datenmengen zu verbessern. Weiterhin steht auch die Implementation von asynchronem Lesen und Schreiben von Adressdaten zwischen Client und Server auf dem Programm.

 

Wieviel Zeit verbringst Du mit Deiner Arbeit an KAddressbook?

Normalerweise verbringe ich mindestens 8 Stunden pro Woche an der Arbeit an KAddressbook und den "dazugehörenden" Komponenten und Anwendungen.

 

Wie denkst Du über den derzeitigen Stand der Groupware-Funktionalitäten des KDE Desktops?

Ich denke, dass es in der Tat einige Dinge gibt, die es zu verbessern gilt, so zum Beispiel die Behandlung großer Datenmengen - wie eingangs bereits angesprochen.

Wir haben erst kürzlich ein Verbindungsmodul für Novell's Groupwise fertiggestellt, das auch noch weiter zu verbessern ist. Aber ich denke, dass es auch noch Verbesserungen in der Anbindung an Microsofts Exchange Server geben wird, sowie neue Anbindungen an OpenGroupsie und an andere Groupware-Projekte aus der OpenSource-Szene.

Bezüglich des KDE Groupware-Clients Kontact muss beim derzeitigen Stand noch an der Interaktion der einzelnen Komponenten gearbeitet werden.

 

Wie stellst Du Dir den Desktop der Zukunft vor? Wie weit sind wir davon noch entfernt?

Der Desktop der Zukunft sollte so sein, dass ich meine Grossmutter davorsetzen kann und sie selbständig damit zu arbeiten beginnt - ohne mich zu fragen, wie die Software zu benutzen ist.

Ich denke, dass MacOS X schon einen Schritt in diese Richtung geht - es ist einfach zu bedienen und sieht gut aus. Allerdings fehlen dort die Funktionen aus KDE wie zum Beispiel Netzwerktransparenz oder Verfügbarkeit des Quellcodes.

Weiterhin benötigt KDE eine bessere Integration und Zusammenarbeit mit dem darunterliegenden Betriebssystem, beispielsweise um Hotplugunterstützung oder Automount-Funktionen besser umzusetzen.

 

Bist Du der einzige, der an KAddressbook arbeitet?

Ich war nicht der ursprüngliche Autor von KAddressbook, das war Don Sanders. Mike Pilone hat großartige Arbeit geleistet, indem der die Benutzeroberfläche von KAddressbook neu entworfen hat. In den letzten zwei Jahren haben aber vornehmlich Cornelius Schumacher und ich an der KAddressbook-Anwendung gearbeitet.

 

Wirst Du für Deine Arbeit an KAddressbook finanziell unterstützt?

Nein, nicht direkt. Ich arbeite Teilzeit für credativ, die mich dafür bezahlen, an KDE zu arbeiten. KAddressbook ist Teil dieser Arbeit.

 

KAddressbook wurde unter der GPL-Lizenz veröffentlicht. Wie denkst Du über Open Source? Hast Du jemals darüber nachgedacht, Deine Software kommerziell zu vertreiben?

Ich denke, dass Open Source das bessere Konzept der Softwareentwicklung darstellt. Man kann beispielsweise den kompletten Sourcecode seiner Anwendung wegwerfen und bei 0 wieder anfangen ohne dabei durch zeitliche Restriktionen beschränkt zu sein. Außerdem ist es möglich mit anderen erfahrenen KDE Entwicklern zusammenarbeiten. Das Resultat sind stabiler und innovativer Quellcode und Anwendungen.

Durch die GPL wird sichergestellt, dass wir als Entwickler diese Freiheit auch genießen können - aus diesem Grund habe ich all meine Software unter der GPL beziehungsweise unter der LGPL veröffentlicht.

Ich habe nie daran gedacht, meine Software kommerziell zu vertreiben.

 

Was machst Du, wenn Du nicht am programmieren bist?

Gibt es so etwas wirklich? Nun, ich versuche mich ständig auf unterschiedliche Weise weiterzuentwickeln - so wie auch meine Software ;-)

Um mich physisch fit zu halten, mache ich etwas Sport (zum Beispiel Jogging), ich lese gute Bücher und genieße es, Zeit mit meiner Freundin zu verbringen.


Tobias König ist per E-Mail unter der Adresse tokoe@kde.org zu erreichen. Das Interview zur Anwendung des Monats KAddressbook führte Klaus Stärk in englischer Sprache. Ins Deutsche übertragen von Klaus Stärk.

Eine Kurzbeschreibung zu KAddressbook finden Sie an dieser Stelle.

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