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Anwendung des Monats - JuK!

Interview mit dem Autor von JuK, Scott Wheeler

(das Interview wurde vom Englischen ins Deutsche übersetzt):

Wann hast Du mit Deiner Arbeit an diesem Projekt begonnen? Wer sollte noch erwähnt werden, wenn wir über JuK sprechen?

Ich glaube, das ist etwas schwierig zu erklären - es gab einmal vor langer Zeit in einer weit entfernten Galaxie ein Projekt namens QTagger, aus dem später das Projekt JuK wurde. Ich begann die Arbeit an QTagger in der Jahresmitte 2000. QTagger war ursprünglich nicht viel mehr, als das übliche "erste sinnfreie Programm zum Erlernen von Qt" - aber immerhin hat es für einige Zeit meine Aufmerksamkeit erhalten. Die letzte Version von QTagger konnte schon verschiedene Sachen abspielen (allerdings nur ein Stück zur selben Zeit) sowie Stückbeschreibungen editieren.

Anfang 2002 habe ich QTagger dann in das KDE CVS eingespielt (in den Baum, der später Basis für KDE 3 wurde), habe eine Stückliste hinzugefügt und das Ganze in JuK umbenannt.

Jetzt kommen wir zu dem Punkt, wo auch andere Leute mit ins Spiel kommen. In der Jahresmitte 2002 habe ich in Deutschland eine neue Arbeitsstelle angenommen - zur selben Zeit wie Daniel Molkentin ein Praktikum in der selben Firma begann. Daniel sah, dass ich JuK benutzte und überredete mich dazu, es in einen releasefähigen Zustand zu bringen. Zu dieser Zeit hat er selbst an den ersten Stücken von Kontact gearbeitet - und ich denke, dass aus beiden - Kontact und JuK - doch etwas Ordentliches geworden ist :-)

Es gibt einige Leute in diesem Projekt - Daniel ist einer von ihnen, der über die ganze Zeit hinweg seine Beiträge dazu geliefert hat. Viele Leute sind zum Projekt hinzugestossen, als JuK in das KDE CVS eingespielt wurde. Tim Jansen hat die Portierung von GStreamer geleistet, Stefan Asserhäll hat die konfigurierbare Tastensteuerung eingebracht, Stephen Douglas hat die Hinweisfenster für Stücke hinzugefügt, Frerich Raabe war für Dinge wie Dateinamen/Tag-Integration zuständig, Zack Rusin und Adam Treat haben MusicBrainz in JuK integriert, Matthias Kretz habe ich mit meinen Fragen zu aRts gelöchert, Maks Orlovich arbeitete mit mir an Speicheroptimierung und Antonio Larrossa hat die DCOP-Oberfläche mit eingebracht.

Es gibt also einen ganzen Haufen an Leuten, die hier mitgeholfen haben. Und JuK wäre ohne ihre grossartige Hilfe heute bestimmt nicht soweit. Es hat mich auch davon befreit, alleine an so langweiligen Dingen wie den internen APIs und dem Sauberhalten des Quellcodes zu sitzen.

 

Die "Zusätze" hinter den Namen im Abschnitt "Über JuK..." sind ziemlich lustig. Das klingt nach guter Teamarbeit? Kennst Du die anderen Projektmitarbeiter persönlich?

Ich kenne etwa die Hälfte der Leute persönlich - Daniel war einer der häufigsten Besucher im Hotel Wheeler. Matthias ist auch wirklich der freundliche aRts-Guru aus der Nachbarschaft - er wohnt etwa 200 Meter von mir entfernt. Und diejenigen, die ich nicht persönlich kenne, habe ich recht häufig im IRC getroffen und mit ihnen gesprochen - sodass ich wohl schon sagen kann, dass wir uns "kennen". Ich denke es ist nur richtig, wenn ich sage, dass wir zwar gemeinsam an JuK gearbeitet haben - aber auch Freunde sind.

 

Was sind Deine weiteren Pläne für JuK? Gibt es irgendwelche neuen Funktionen, auf die wir uns freuen dürfen? :-)

Es gibt in der Tat sehr viele Dinge, die ich erledigen möchte, aber um realistisch zu bleiben: meine Ziele für KDE 3.3 sind das Auslesen und Abspielen von CDs sowie interne Säuberungen des Codes. Ich habe diese Punkte schon auf meinem Rechner hier teilweise fertiggestellt, aber es ist noch nicht reif, es weiter freizugeben.

Ich habe auch mit Mark gesprochen (dem Autor von Amarok), ob der Code für Internet-Radio in eine für JuK lesbare Bibliothek abgelegt werden kann. Wenn es die Zeit erlaubt, hätte ich diese Funktion auch gerne für KDE 3.3 fertig.

 

Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe Medien-Spieler für KDE. Was waren die Gründe für Dich, einen weiteren zu entwickeln? Was unterscheidet JuK von den anderen Spielern?

Zu der Zeit als ich an QTagger arbeitete und das Ganze sich in Richtung JuK entwickelte, gab es noch nicht viele Medien-Spieler für KDE. Zu der Zeit als ich mit QTagger startete, war auch die Zeit für Charles, an Noatun zu arbeiten. Bei Noatun kam irgendwann das Editieren von Tags dazu, bei JuK die richtige Abspielfunktion. Viel mehr als diese Medien-Spieler gab es damals noch nicht. Die meisten weiteren Werkzeuge wurden erst anschliessend entwickelt.

Aber abgesehen davon finde ich die genannte Problematik ganz gut so, denn ich bin sehr froh darüber, dass es wieder so ein grosses Interesse an KDE's Multimedia-Programmen gibt - und dass auch so viele neue Leute den Weg in die KDE Multimedia-Gemeinsachaft gefunden haben

 

JuK ist unter der GPL veröffentlicht. Was waren die Gründe hierfür? Was denkst Du ganz allgemein über "Open Source"?

Ich denke, dass die GPL für mich eine bestimmte Art von Gerechtigkeit verkörpert. Ich sehe Open Source Software vor allem als soziales Phänomen und als Produkt einer verbundenen Gemeinschaft - und ich sehe die GPL auch als die Idee, die diese Gemeinschaften fördert.

 

Wird Deine Arbeit an JuK in irgendeiner Form gesponsort?

Nun, ich habe sozusagen eine "KDE-freundliche" Arbeitsstelle, so arbeite ich zum Beispiel bei der Arbeit auch mit dem KDE CVS - werde aber nicht direkt für die Arbeit an JuK bezahlt. Es gibt schon Situationen bei der Arbeit, wo ich darum gebeten werde, KDE-Themen zu bearbeiten, allerdings betrifft dies meist mehr die Kernkomponenten von KDE.

 

Hast Du (außer JuK ;-) ) irgendwelche Lieblingswerkzeuge unter KDE?

XEmacs - oh, Moment, ich entscheide mich wohl besser für KCacheGrind. Es hat mir schon wirklich gut geholfen, seit ich es vor einiger Zeit entdeckt habe. Ausserdem pflege ich eine gewisse "Hassliebe" mit KMail :-)

 

Wie könnte / sollte Deiner Meinung nach der "Desktop der Zukunft" aussehen?

Ich glaube, auf den heutigen Desktops blinkt noch viel zu wenig. In Zukunft sollte es viel mehr Dinge auf dem Desktop geben, die blinken.

Aber mal ernsthaft: ich denke nicht, dass sich die Oberfläche in der näheren Zukunft sehr verändern wird. Wir machen zwar Fortschritte, allerdings haben sich die grundsätzlichen Ideen in den letzten 20 Jahren nicht verändert. Ich denke, dass wir in der näheren Zukunft eher an Verfeinerungen arbeitern werden, vor allem an einer Veränderung hin zu einem intuitiveren Desktop.

Ich denke auch, dass der Linux-Desktop endlich ein Stadium erreicht hat, wo er zu anderen Desktops konkurrenzfähig ist. Nun müssen die Anwendungen noch weiter reifen und aufpoliert werden.

 

Wie sieht die Hard- und Software aus, mit Du zuhause / bei der Arbeit einsetzt?

Zu Hause: SuSE 8.0, Athlon 1.4 GHz, 1 GB RAM, bei der Arbeit: SuSE 8.2, Dual Athlon MP 1800, 2 GB RAM.

 

Kannst Du uns mehr über den Menschen "Scott Wheeler" erzählen? Wie verdienst Du Deine Brötchen?

Ich habe diesen Typen namens "Scott Wheeler" einmal getroffen. Irgendwie ist er ein bisschen seltsam. Wie sich herausgestellt hat, ist Scott ein Bit-Händler. Heutzutage gibt es allerdings nicht sehr viele Möglichkeiten für Bits - es gibt sie entweder als 0 oder als 1 - so scheint dies ein ziemlich einfacher Job zu sein.

Scott behauptet, dass wenn man genügend Bits zusammensetzt, diese auch eine Maschine zum Laufen bringen können. Seltsam, sage ich Euch. Da gibt es diesen Ort, wo es nur so von diesen Bit-Händlern wimmelt - "Programmierer" scheint der politisch korrekte Ausdruck dafür zu sein. Hier verbringt Scott sehr viel seiner Zeit. Dieser Ort trägt den Namen "SAP LinuxLab".

 

Wie verbringst Du Deine Freizeit (falls es so etwas für Dich überhaupt gibt ;-) )?

Ich habe einige Hobbies - wahrscheinlich zu viele. Ich liebe es zu reisen; für dieses Jahr habe ich geplant, 5 Kontinente zu bereisen. Ich lese auch ein bisschen - in letzter Zeit vor allem Geschichte und Philisophie.

Ich bin auch sowas wie ein Musik-Freak - ich spiele Bass (und habe dies auch einmal unterrichtet). Ein Grund, warum ich die Arbeit an JuK und Multimedia im Allgemeinen so geniesse ist, dass ich zwei meiner Hobbies dadurch kombinieren kann.


Scott Wheeler ist per E-Mail unter der Adresse wheeler@kde.org zu erreichen. Das Interview zur Anwendung des Monats JuK führte Andreas C. Diekmann. Übersetzung ins Deutsche von Klaus Stärk.

Eine Kurzbeschreibung zu JuK finden Sie an dieser Stelle.

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