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Anwendung des Monats - Quanta!

Interview mit dem Betreuer von Quanta, Eric Laffoon und dem Hauptprogrammierer Andras Mantia:

 

Eric Laffoon über sich

Ich bin ein 45 Jahre alter, bekennender Technikabhängiger. Mit 9 Jahren begann ich erste elektronische Projekte und überraschte meinen Vater damit, wie ich einen Rückkoplungswiderstand an die Ausgangsstufe meines "Heathkit" Radios bastelte (die Idee bekam ich durch einen Schaltplan seiner Harmon/Kardon). 1975 programmierte ich zum ersten Mal in Fortran auf den Navy Schulen, wo ich den Computer-Part fast hervorragend absolviert habe. Ich habe eine ganze Reihe verschiedener Dinge getan, bis ich in den späten 90ern an Web-Arbeiten geriet, während ich noch OS/2 benutzte. 1999 beschloss ich die Umstellung auf Linux zu wagen. Ganz oben auf meiner Tagesordnung stand dann die Suche nach einem guten Web-Entwicklungs-Paket.

 

Wie wurde Quanta geboren? Wie bist Du in dieses Projekt hineingeraten?

Eric:
Anfang 2000 sah ich eine Ankündigung für Quanta auf Freshmeat. Ich suchte nach etwas fortschrittlicherem als dem EPM-Editor, den ich unter OS/2 benutzte. Ich schaute mir Coffee Cup Shareware, Visual Slick Edit und einen Haufen freier Software an. Ziemlich schnell zog ich KDE GNOME vor und suchte nach einer guten Anwendung unter KDE. Die einzige halbwegs anständige Anwendung war Webmaker, die aber noch ziemlich zu wünschen übrig ließ. Quanta existierte in der Version 0.97 oder so, als ich es zum ersten Mal sah und es war im Grunde ein umgebautes KDevelop. Es gab keine Tag-Dialoge und ein paar wenige gute Funktionen aber es war ganz niedlich. Ich schrieb Dima und Alex meinen Frust, dass das Programm zwar gut aussah aber meine Bedürfnisse als Web-Entwickler nicht befriedigte. Zu meiner Überraschung baten sie mich um Verbesserungsvorschläge und ich nannte eine Reihe Dinge, die verbessert werden konnten. Mein Schwerpunkt lag eindeutig darauf, wie eine Aufgabe am schnellsten erledigt werden konnte. Sie hatten auch einige gute Ideen, wie z. B. programmierbare Aktionen aber viel von der Benutzeroberfläche und Effizienz kam durch meine Angaben. In der frühen Entwicklungsphase erwähnten sie, dass sie bald keinen Zugang mehr zu Schulcomputern haben würden, da sie noch in einer Jugendherberge in Kiev lebten. Ich half ihnen in ein Haus mit Telefonanschluss zu kommen und später besorgte ich ihnen einen zweiten Computer.

Andras:
Über die Anfänge von Quanta kann Eric mehr erzählen. Alles was ich darüber weiß ist, dass das Projekt von Dmitry Poplavsky, Alexander Yakovlev und Eric ins Leben gerufen wurde. Alex and Dmitry verließen das GPL-Projekt bevor die finale Version 2.0 herauskam und arbeiten jetzt an der kommerziellen Version bei Kompany. Ich wurde im November 2001 von Eric eingeladen am Projekt teilzunehmen. Er fand mich, als er Kallery herunterlud, was die erste Anwendung war, die ich für KDE geschrieben habe. ;-) Zu der Zeit war Quanta ziemlich verlassen und ich war der einzige Programmierer. Meine erste Aufgabe war, die Fehler zu beseitigen, die am meisten störten und eine stabile Version 2.0 herauszubringen.

 

Wer sollte noch erwähnt werden, wenn wir von Quanta sprechen?

Eric:
Es ist nur fair Dmitry und Alex zu erwähnen, auch wenn es nicht gerade lustig war, als sich unsere Wege trennten, denn sie begannen die ersten Versionen. Ganz klar muss Andras als erste Person genannt werden und ich stimme auch den anderen Namen zu, die er aufführt. Marc und Robert waren großartig, wie eine ganze Reihe anderer Leute, zu viele um alle zu nennen. Während des Umbaus von Quanta von KDE 1 auf KDE 2 half Rich Moore ein bißchen aus, Ich vermisse Rich. Er ist eine Quelle des Wissens.

Andras:
An erster Stelle ist da Eric, der sich diesem Projekt verschrieben hat und es seit seinen Anfängen mit seinen eigenen, manchmal beschränkten Mitteln unterstützt. Alex und Dmitry sollten erwähnt werden, weil sie das Projekt ins Leben gerufen haben, sowie ein paar mehr oder weniger aktive Entwickler, die uns helfen, wie z. B. Marc Britton (Autor von Kommander), Robert Nickel (er schrieb eine gute Dokumentation zu Quanta). Werft einfach mal einen Blick in die "Thanks To" Liste in der "About box" in Quanta.

 

Wie wird das Projekt koordiniert? Kennst Du alle Entwickler oder Mitarbeiter persönlich?

Eric:
Es ist weitgehend so, dass ich das Projekt manage und Andras sich um die Interna kümmert. So wie er sagt, trifft er Entscheidungen, die die Programmierung betreffen, was auch weitgehend zutrifft. Ich traue ihm vorbehaltlos. Ich programmierte vor 25 Jahren zum ersten Mal und seither in vielen Sprachen aber ich bin nicht so fit in C++. Als ich mit Quanta allein gelassen wurde entschloß ich mich zu lernen und zu programmieren, falls ich alles alleine machen musste. Ich kann C++ recht gut lesen und ich sage immer noch, dass ich irgendwann einmal ein paar Wochen damit herumspiele. Ich weiß, dass ich das tun werde aber ich muss akzeptieren, dass mein Projektmanagement und meine Arbeit Vorrang haben müssen und auch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Oft wünsche ich mir einfach die Rollen mit Andras tauschen zu können, was viel einfacher für mich wäre. ;-)
Ich nehme die Rückmeldungen der Benutzer und meine eigenen Erfahrungen mit meiner Arbeit mit Quanta als Ausgangspunkt für das, was ich tun möchte. Ich lese jeden Tag über Linux Entwicklungen, neue Programme und darüber, was sich im Hightechbereich tut. Ich tausche mich mit anderen Entwicklern aus und dann arbeite ich einen Plan aus. Ich versuche andere freiwillige Entwickler dazu zu bringen, kleine Code-Stücke beizutragen und ihre Beiträge von Andras beantworten zu lassen. In letzter Zeit gab es, bedingt durch meinen Terminkalender und der Tatsache, dass wir uns in KDE 3.1 einbringen mussten weniger zusätzliche Aktivitäten, als mir lieb gewesen wäre. Ich plane diese in den kommenden Monaten wieder mehr in den Mittelpunkt zu rücken, da dies sehr gut für die Leute ist, wenn sie Erfahrung damit bekommen. Dadurch dass ich ein eigenes Geschäft geführt habe und mit verschiedenen unabhängigen Auftragnehmern zu tun habe, glaube ich, dass ich etwas von der nötigen Mentalität habe, um ein solches Projekt zu managen. Es ist ganz anders, als Angestellte zu haben, die von einem abhängen. Man muss in der Lage sein den Leuten zu helfen Vertrauen zu entwickeln, in das was sie tun. Ich mag das sehr.
Durch Quanta habe ich jeden getroffen, der mit Quanta zu tun hatte. Ich finde das ziemlich cool. Es ist auch ziemlich demütigend. Man muss einen gewissen Erfolg vorweisen können, um mehr Leute anziehen zu können, die einem helfen, Erfolg zu haben. Viele zeigen Interesse. Ich wünschte, es würden mehr durchhalten aber das ist nun mal die menschliche Natur. Die Botschaft eines Projekts wie diesem ist, wie gut man sich fühlt, wenn man erkennt, wie viele Leute damit in Berührung kommen. Möglicherweise ist dies meine nächste inspirative Entwickler-Eingabe. ;-)

Andras:
Ich kenen niemanden von ihnen persönlich. Einige Koordinationsarbeit wird von Eric erledigt, der festlegt, was wir einbauen sollen und wann wir eine neue Version herausbringen sollen. Er schreibt die Artikel, hält die Quanta-Seite auf dem Laufenden und so weiter. Er ist der Projekt-Manager. Aber wenn wir über das Programmieren sprechen, bin ich derjenige, der die Entscheidungen trifft. :-)
Die Diskussionen laufen normalerweise über unsere Entwickler-Liste. Von Anfang an hatte wir bis zur Version 3.0 nur eine IRC Diskussion.

 

Was sind Deine zukünftigen Pläne für Quanta?

Eric:
Es gibt verschiedene Bereiche in Quanta, für die ich Änderungen plane. Ich denke, Andras am Entwicklungs-Ruder zu haben heißt, dass er laufend die Interna verbessert und seitdem er sich in Vollzeit um Quanta kümmert, wird er diese Änderungen auch alle bewältigen können. Ich habe ein sehr großes Vertrauen in ihn. Ich weiß, dass er mit großer Leidenschaft an Quanta arbeitet und dass er immer die richtige Antwort parat hat.
Andras erwähnte, dass er das beste Markup- und Skript-Tool habe. Das bringt es sicher auf den Punkt. Quanta muss unbegrenzt erweiterbar bleiben. Ich weiß nicht, was ich in vielleicht ein oder zwei Jahren damit machen werde. Es klar von einem reinen HTML-Tool zu trennen, war ein entscheidender Schritt. Ich möchte, dass Quanta sich zu einem unglaublich natürlichen, stimmigen und effizient zu nutzenden Werkzeug entwickelt. Mein Ziel ist, dass es durch Plugins zu einem größeren Funktionsumfang gelangt. Dennoch gibt es eine Sache, die mir sehr wichtig ist, die mich bisher aber eher enttäscht hat. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Message richtig rübergebracht habe.
Ich möchte, dass Quanta zu einem Werkzeug wird, das die Leute dazu bewegt, zu Linux/KDE zu wechseln, allein, um es für Web-Entwicklungen nutzen zu können. Um dies erreichen zu können, müssen wir unsere Entwickler-Basis vergrößern. Denn Quanta kann durch XML-Dateien jetzt komplett verändert werden und durch "point and click" ist es für den Benutzer sehr weit konfigurierbar. Ich will die Entwicklungen auf Kernpunkte, wie Leistung und die Einbindung von Funktionen konzentrieren, wie auch auf den Schritt zu mehr Plugins. Ich will die Benutzer durch neue Vorlagen, neue Sprachdefinitionen, anpassbare Werkzeugleisten, Skripte und ähnliches mit einbinden. Eine Sache, für dessen Vorstellung wir bisher zu beschäftigt waren und die ich hoffe, bald vorstellen zu können ist Kommander. Er ist in Quanta integriert und erlaubt einem eigene Dialoge zu erstellen, mit einem angepassten QT Designer und angepassten Klassen. Dies wurde von Marc Britton, entsprechend meiner Vorgaben erledigt und das bedeutet, dass man mit ein bißchen Perl, Python oder sogar Bash und ein wenig "point and click" Quanta komplett seinen Bedürfnissen anpassen und DCOP benutzen kann, um in beide Richtungen zu kommunizieren. Dies kann mit jeder Anwendung oder "standalone" benutzt werden. Ich glaube, dass es nur wenige gute C++ Programmierer gibt aber tausende von Leuten, die Skripte erstellen oder "point and click" benutzen können. Wenn nur 25-50 Leute anfangen würden, auf diese Art Eingaben in Quanta einzubringen, hätte es einen enormen Funktionsumfang. Auf jeden Fall könnten wir morgen damit aufhöhren und es wäre durch das, was wir bereits integriert haben noch jahrelang aktuell... jede Sprache... neue Funktionen... etc.
Irgendwann möchte ich, dass Quanta eine Form von WYSIWYG beherrscht aber nicht auf die alte langweilige Art. Ich stelle mir vor eine Datenbankseite mit PHP zu nehmen und die Daten aus Suchtabellen heraus zu bearbeiten, es live zu sehen und gleichzeitig das Aussehen zu ändern. Ich glaube niemand sonst hat so etwas. Meine neueste Vorstellung ist, dass ich andere Web-Werkzeuge weit übertreffen möchte. Später würde ich auch gerne Flash und andere Grafikformate einbauen. Tatsächlich möchte ich, dass Quanta eine führende Rolle unter den Anwendungen mit nützlichen neuen W3C Funktionen einnimmt.

Andras:
Ziel ist, das beste SGML/XML/Skript Werkzeug zu bekommen. ;-) Aber im Ernst, meine Pläne sind, es einfacher nutzbar zu machen, flexibler. Die Anfänge hierzu gibt es seit der Version 3.0 aber es müssen immer noch viele Dinge getan werden, bevor ich sagen kann: ja, das ist, was ich wollte. Einer der Schwachpunkte von Quanta ist seine Langsamkeit beim Editieren von bestimmten Dokumenten. Die Version 3.1 ist schon ein Schritt in die richtige Richtung aber ich arbeite jetzt an einem schnelleren und besserem Syntaxanalyse-Algorithmus. Ansonsten möchte ich nicht über neue Funktionen sprechen. Es gibt eine Todo-Liste auf unser Web-Seite und man kann die Wünsche auf der KDE und Sourceforge-Bug-Seite nachlesen.
Ich weiß dass viele Benutzer gerne einen WYSIWYG-Editor hätten aber das hat für mich keine Priorität.

 

Quanta ist frei verfügbar. Was waren die Gründe Quanta unter der GPL zu veröffentlichen und was denkst Du über Open Source?

Eric:
Ich muss gestehen, dass ich ursprünglich nicht ganz von der GPL überzeugt war. Wir diskutierten schon früh über Lizenzierungsmodelle und Dmitry und Alex waren für die GPL. In meinen Augen blieb uns durch die Verwendung von Code aus Kwrite und anderen Programmen keine andere Wahl. Der größte Teil des ursprünglichen Quantas war wiederverwendeter Code. Als sich uns die Möglichkeit bot ein kommerzielles Produkt herzustellen, war ich überrascht, dass dies bedeutete die GPL-Version sterben zu lassen. Das stellte mich vor eine Gewissensprüfung. Einmal abgesehen davon, dass ich nicht daran glaubte, dass man mit dem Verkauf eines kleinen Softwareproduktes viel Geld verdienen könnte, begann ich mich der GPL stärker verbunden zu fühlen. Ich habe eine ganze Reihe E-Mails von Leute auf der ganzen Welt erhalten, in denen sie mir dafür danken, dass ich es ihnen ermöglicht habe, im Bereich der Web-Seiten-Entwicklung Arbeit zu finden und damit ihr Leben verbessert habe.
Für mich war Software immer eine Lotterie für viele Leute. Bill Gates war zur rechten Zeit am rechten Ort, um mit einem minderwertigen Betriebssystem ein Vermögen zu machen. Ich mag keine Lotterien. Ich will wirklich kein Geld für etwas bekommen, solange es nicht für etwas ist, das das Leben eines anderen bereichert. Ich glaube nicht, dass die Lektion vom "glücklich werden" indem man über Jahre hinweg Geld scheffelt auf Kosten anderer gut oder realistisch ist. Jeder hat die Macht positive Änderungen in sein Leben zu bringen aber manchmal braucht man ein bißchen Hilfe. Open Source Software schafft gleiche Voraussetzungen und erlaubt es jemandem, der sich gerade so einen Computer leisten kann, sich die nötigen Kenntnisse anzueignen, um mit denen, die besser gestellt sind, konkurrieren zu können. Meiner Ansicht nach sollten die Kosten von Werkzeugen immer zweitrangig sein. Ich finde, Software, für die Geld verlangt wird sollte einen bestimmten Nutzen für ihre Kosten bringen. Gebrauchssoftware sollte frei oder billig sein.

Andras:
Ich mochte die Idee von freier Software schon immer und dachte noch nie daran, den Code, den ich programmierte unter einer proprietären Lizenz zu veröffentlichen. Wenn man für ein Unternehmen arbeitet ist es OK nicht freie Software zu programmieren aber wenn man es zu seiner eigenen Freude macht, sollte man es frei mit der ganzen Welt teilen. Und GPL ist ein tolles Lizenzmodell für freie Software.

 

Das Veröffentlichen von "freier" Software macht einen nicht gerade reich, wie verdienst Du also Deinen Lebensunterhalt? Wird Quanta in irgendeiner Form gesponsort?

Eric:
Ich habe nie versucht, meinen Lebensunterhalt direkt durch Quanta zu bestreiten, obwohl ich das jetzt indirekt tue. Ich besitze und betreibe Kitty Hooch Catnip und bevor jetzt irgendjemand etwas sagt: ich war wirklich sehr beschäftigt und ich hoffe, dass ich meine Seite schon bald beeindruckend gestalten kann. ;-) Wir verkaufen ein super Premium-Produkt, das einzige, das Katzen garantiert lieben werden an Tierhandlungen, online, auf Märkten, Basaren und Tierschauen. 2001 war es ein Nebengeschäft, 2002 durchliefen wir eine schwierige Übergangsphase und für 2003 erwarten wir das einzunehmen, was für eine größere Expansion nötig ist.
Ich sponsore die Entwicklung von Quanta von Anfang an aus eigener Tasche. Es gab einige wenige Spenden, die wir sehr dankbar angenommen haben. Da unsere Geschäfte im Dezember so gut liefen und Andras so gute Arbeit geleistet hat, bekommt er von uns ein Weihnachtsgeld. Ich möchte seinen Spendenaufruf nicht abtun. Nur weil meine Geschäfte gut laufen darf ich nicht die gesamten Kosten ignorieren. Ich konnte Andras nur unterstützen, weil die Lebenshaltungskosten dort, wo er wohnt so niedrig sind. Ich würde wirklich alles in meiner Macht stehende tun, um sicher zu stellen, dass seine Bedürfnisse befriedigt werden und wenn man einmal bedenkt, dass er von zu Hause aus zu den Zeiten, die ihm am besten passen arbeiten kann, glaube ich, dass es ihm ganz gut geht. Ich würde ihm gerne mehr zahlen. Wenn ich für jeden Download von Sourceforge einen Dollar bekäme, würde ich Marc hinzunehmen und weiterhin Geld aus meiner eigenen Tasche zahlen.
Es sollte nochmals klar gesagt werden. Quanta wird gesponsort, hauptsächlich von mir und kleine Spenden an mich sind die beste Art mich bei guter Laune zu halten und mich davon abzuhalten zu überlegen, was ich mir von dem ganzen Geld, das ich dafür ausgebe alles hätte kaufen können.

Andras:
Im Moment bin ich von Eric abhängig. Er sponsorte Quanta anfänglich und von Beginn des letzten Monats an, war er auch in der Lage mich zu sponsorn. Es handelt sich um keine große Summen, alles was ich mir von seiner Unterstützung leisten kann ist die Internet-(Einwahl-)Verbindung, die Bezahlung meiner Rechnungen und das Essen für uns zwei (ich bin verheiratet...) und solche Dinge. Wenn es irgendwelche unvorhergesehenen Ausgaben gibt, ist es nicht genug aber wir haben uns entschlossen Vollzeit für Quanta zu arbeiten, auch wenn ich dafür weniger Geld bekomme, als wenn ich für ein Unternehmen proprietäre Software unter Windows entwickeln würde, unter Benutzung von MFC...
Aus oben genannten Gründen will ich allen nochmals sagen, dass wir eine Spenden-Seite haben, die sogar aus Quanta direkt zugänglich ist (Help -> Make a donation) und es ist einfach für alle, die PayPal benutzen können (natürlich können wir uns auch über jede andere Form von Spende unterhalten). Jede noch so kleine Spende macht meine und Erics Arbeit leichter. Natürlich darf sich auch jede Firma, die unsere Arbeit unterstützen will an uns wenden. Ich würde mich auch gerne in Zukunft auf Quanta konzentrieren und Voraussetzung dafür ist nun mal ein sicheres Einkommen. Und was für ein Unternehmen eine kleine Sache ist, kann für einen Mann eine große Hilfe sein. Der andere Grund, warum ich mich entschlossen habe in Vollzeit für Quanta zu arbeiten ist, weil ich in der Vergangenheit etwas sparen konnten (ich arbeitete in Finnland für Ericsson), so dass ich auch mal ein oder zwei Monate ohne Arbeit überleben kann aber es ist wohl verständlich, dass ich diese Ersparnisse nur so wenig wie möglich anbrechen möchte. Ich habe andere (persönliche) Pläne damit.

 

Hast Du irgendwelche Lieblingswerkzeuge unter KDE?

Eric:
Da fällt mir spontan Quanta ein. ;-) Abgesehen davon weiß ich, dass Andras KDevelop sehr schätzt und es ist in der Tat ein echt cooles Werkzeug. Hier ein paar Werkzeuge, die ich wirklich mag: Cervisia ist wirklich großartig für CVS und ich liebe es Web-Arbeiten aus einem CVS-Repository aus zu erledigen. KFileReplace ist sehr praktisch für Suchen- und Ersetzen-Aufgaben mit Platzhaltern über mehrere Verzeichnisse hinweg. Kompare ist auch sehr nett. Ich glaube, ich erwähne besser noch Kallery, damit Andras nicht wütend wird. ;-) Ich bin auch ein großer Fan von Kspread, auch wenn ich hier noch einige Verbesserungsmöglichkeiten sehe. Neben Quanta ist sicherlich Kommander mein Lieblingswerkzeug. Ich wünsche mir noch ein gutes Datenbankwerkzeug aber Knode sieht schon ganz vielversprechend aus.

Andras:
Ich liebe KDevelop und wünsche mir wirklich, dass Gideon stabiler und nutzbarer wird. Ich benutze es jetzt schon aber es hat immer noch ein paar nervende Fehler. Alles was ich sagen kann ist, dass KDevelop mich Delphi vergessen ließ, was meiner Meinung nach das beste IDE unter Windows war. Und natürlich halfen mir in diesem Fall auch die QT/KDE Bibliotheken. In ihrem Bereich sind das bis jetzt die besten Bibliotheken.

 

Wenn Du von der "Benutzeroberfläche der Zukunft" träumst, wie würde diese aussehen und wie weit sind die schon existierenden noch davon entfernt?

Eric:
Ich weiß nicht, wie wichtig Aussehen für mich ist. Für mich ist KDE 3.1 Keramik schon wunderschön. Aber, was Aussehen und Benutzbarkeit angeht, ist Slicker irgendwie beeindruckend. Trotzdem wird sich meine Benutzeroberfläche der Zukunft um Kommander drehen. Ich erkläre das mal.
Die meisten Leute denken bei Software an Schrumpffolie oder Gebrauchssoftware, auch wenn die meiste Software in Heim- oder Vertical-Market-Paketen steckt. Wenn mal also eine Standard-Installation hat, bekommt man jede Menge tolle Werkzeuge aber was man nicht bekommt ist "seine" Anwendung. Man hat Textverarbeitungsprogramme, Tabellenkalkulationsprogramme, Kalender und E-Mail... aber solange man nicht mit ihnen arbeitet sind sie nicht so eingerichtet, wie man es gerne hätte. Wenn sich ein System-Entwickler mit einem zusammen hinsetzt kann er die einzelnen Programme für einen einrichten, genauso kann er Standard-Vorlagen erstellen, etc. ... Wenn die einzelnen Programme durch Standard-Dialoge und Skripte integriert sind, bekommt man eine sehr viel produktivere Benutzeroberfläche. Sie wird zur persönlichen Anwendung und nicht nur zu einem Wust von allgemeinen Anwendungen. Diese Anpassungen könnten viel einfacher vom Durchschnittsbenutzer erledigt werden, wenn es ein Werkzeug gäbe, dass es ihm erlauben würde, die ganzen relevanten Informationen unter Benutzung von Dialogen und Skripten zwischen den Anwendungen auszutauschen. Und das ist es, was mit Kommander und voll DCOP kompatiblen Anwendungen möglich sein wird.
Die Benutzeroberfläche der Zukunft erlaubt es allen Anwendungen nahtlos zusammenzuarbeiten, sie automatisiert Standard-Aufgaben, ermöglicht es, den Arbeitsfluß effizient zu strukturieren, verhindert Doppelarbeit und stellt die jeweils besten Werkzeuge zur Verfügung. Ich würde sagen, das dies bereits jetzt möglich ist aber wenn wir jetzt die richtigen Schritte unternehmen können wir in 1-2 Jahren dramatische Verbesserungen sehen. Der momentane "Star" unter den Benutzeroberflächen ist ein monolitisches Eines-für-alles-Paket, das nicht das beste ist aber funktioniert, weil es dem Benutzer geringe Anpassungsmöglichkeiten bietet. Man stelle sich vor, was passieren würde, wenn man diese ganzen Konzepte zusammenführen würde. Kommander würde im Konzept der nahtlosen Benutzeroberfläche eine große Rolle spielen.

Andras:
Normalerweise träume ich nicht von Benutzeroberflächen (vielleicht manchmal vom Programmieren...). ;-) Die momentan existierenden Oberflächen befriedigen meine Bedürfnisse, was ich mir wünsche sind noch mehr gute Anwendungen. Manchmal ist der Kern dieser Anwendungen gut aber sie sind nicht so benutzerfreundlich.

 

Wie sieht die Hardware aus, mit der Du arbeitest? Welche Betriebssysteme laufen auf Deinen Systemen?

Eric:
Bei mir läuft nur Linux. Ich habe ein paar alte Windows-Versionen aber ich kann mich nicht erinnern, wann sie zum letzten Mal gestartet habe. Ich habe ein lokales Netzwerk mit zur Zeit drei Rechnern und einer Firewall auf einem älteren Rechner. Nachdem ich alle gängigen Distributionen durchprobiert hatte, läft nur noch Mandrake auf meinen Rechnern aber ich versuche noch vor Januar auf Gentoo umzustellen. Das System läft auf einem Athlon TBird 950, 512 MB RAM, 90 GB Festplatte und einem 19 Zoll Monitor. Ich habe auch noch einen Athlon 700 im Büro meiner Frau mit einem 17 Zoll Monitor und Mutters alten K6-500 mit einem 15 Zoll Monitor, der demnächst in unseren Produktionsbereich wechselt oder zu einer Unterhaltungsmaschine wird. Ich werde bald auf einen Athlon 2000 umrüsten, da ich ziemlich viel kompiliere... und ich kann ja nicht zulassen, dass Andras ein viel schnelleres System als ich hat. ;-)
2003 werde ich wahrscheinlich auch ein Notebook bekommen und mein ganzes Geschäft läuft von meinem lokalen Netzwerk in Verbindung mit einem Remote-Server. Ich arbeite daran, das ganze zu einem Vorbild an Effizienz zu machen.

Andras:
Meistens arbeite ich mit einem Athlon XP1600+ mit 256 MB RAM, 40 GB Festplatte und einem Hansol 17 Zoll Monitor. Ich habe den Rechner aus Einzelteilen zusammengebaut, da ich fertigen Komplett-Systemen nicht traue und natürlich benutze ich Linux (SuSE 8.0). Ich habe noch einen älteren Compaq-Laptop, auf dem SuSE 8.0 und Windows 98 läuft aber ich starte ihn so gut wie nie unter Windows. Auf beiden Rechnern läuft ein selbst kompiliertes KDE. Zum Entwickeln benutze ich seit letzten Monat KDE HEAD, soweit meine momentane Internet-Verbindung es mir ermöglicht es von Zeit zu Zeit upzudaten.

 

Wie verbringst Du Deine Freizeit (außer der Arbeit an Quanta)? ;-)

Eric:
Gibt es so etwas wie Freizeit? Ich habe mal nachgesehen und der Tag scheint nur 24 Stunden zu haben, die eigentlich schon zu kurz sind. Es scheint ewig her, dass ich das letzte Mal einen freien Tag hatte aber ich erinnere mich daran, dass mich im letzten Monat ein Freund mit auf die Auerhahn-Jagd genommen hat. Die Arbeit beginnt für mich gleich quer hinter dem Flur vor meinem Schlafzimmer. Ich stecke etwa 20-30 Stunden Arbeit pro Woche in Quanta, wobei ich sieben Tage pro Woche arbeite, in der Zeit zwischen dem Aufstehen und dem Zubettgehen. Also wenn man mich wirklich auf die Palme bringen möchte, muss man mir schreiben und sagen, dass man gerne helfen würde aber keine Zeit hat... man sollte sicherstellen, dass man mir 100 Arbeitsstunden pro Woche vorweisen kann. ;-)
Es gibt eine Reihe Dinge, die ich gerne tue. Ich finde Filme sehr entspannend und ich habe seit meinem 14. Lebensjahr Musik gemacht. Mein Instrument habe ich vor ein paar Jahren in die Ecke gestellt aber für 2003 plane ich mir ein Musikstudio einzurichten und ich will wieder anfangen zu spielen. Ich habe mit der Arbeit an den Texten für ein Album zu Ehren meiner Mutter angefangen, die ich am 31. August 2001 unerwartet verloren habe, als ich sie zurück nach Oregon fuhr. Ich gehe auch gerne ins Fitneßstudio und betreibe Bodybuilding. Für einen Kerl in meinem Alter (45) ist dies ein gutes Mittel gegen das Altwerden und es hilft mir meine Energie zu erhalten. Nach einer sechsmonatigen Pause habe ich mit dem Training wieder angefangen und drücke schon wieder 100 kg. Mein Ziel ist es mein Körperfett bis zum Sommer auf 5 - 10 % zu reduzieren und schließlich wie ein männliches Fitneßmodell auszusehen, mit tollen Oberarmmuskeln. Nach 20 Jahren stellt man fest, dass sich die Chancen für einen verschlechtern, wenn man nicht dran bleibt. ;-)
Abgesehen davon habe ich mit den Jahren eine Leidenschaft für handgerollte Zigarren entwickelt. Sie zwingen mich für eine Stunde zum Entspannen und Nachdenken. Ich habe mich sehr daran gewöhnt das zu genießen. Es gefällt mir auch die Tatsache, dass sie seit 150 Jahren auf die selbe Art und Weise hergestellt werden und während ihrer Herstellung durch die Hände von 100 Arbeitern gehen. Das kann man nicht einmal über Wein sagen. Ich weiß dass Andras sagt, dass er nicht rauchen würde und dass er Schokolade mag. Ich mag Schokolade auch aber sie sammelt sich immer an der Hüfte... und ich kann sie nicht rauchen. ;-)
Ich hoffe, dass ich 2003 meine Pilotenlizenz erhalte und ab 2004 anfangen kann Flugzeugmodelle zu bauen. Ich bin ein großer Geschichtsfan und hätte zu gerne einen Nachbau eines Kampfflugzeuges mit Laserzielvorrichtung, denn ich glaube Nahkämpfe mit meinen Freunden wären echt der Hit!

Andras:
Ich liebe es in der Natur unterwegs zu sein, und auf Berge zu klettern. Die Berge sind ein, aber nicht der einzige Grund, warum ich zurück nach Rumänien gezogen bin. Außerdem höre ich gerne Musik, was gut ist, weil ich das auch tun kann, während ich arbeite. ;-)

 

Gibt es noch etwas, was Du uns gerne mitteilen möchtest (Hilfe gesucht, Danksagungen...)?

Eric:
Ich danke allen, die so freundlich waren und Quanta so gelobt haben. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal die Ehre haben würde, ein solches Projekt zu managen. Ich bin nur durch einen Zufall an dieses Projekt geraten aber jetzt wollte ich es um nichts auf der Welt mehr missen. Am meisten wünsche ich mir, dieses wunderbare Gefühl, Teil eines solchen Projekts zu sein, mit allen teilen zu können. Was wir tun bedeutet den Menschen etwas. Das Wissen, einen so positiven Einfluß auf das Leben von so vielen Menschen zu haben ist besser als alle finanziellen Entschädigungen. Ich wünschte, jeder der das hier liest, kann diese Erfahrung machen. Und man kann es. Ich ermutige jeden wahrzunehmen, dass Teil einer Gemeinschaft zu sein viel mehr verlangt, als nur zu konsumieren. Jemand muss auch produzieren und hierin liegt die wahre Belohnung.
Es ist ein so offensichtliches Klischee zu sagen "schickt Eure Spenden" aber tatsächlich ist es für viele von uns so einfach und es kostet uns wirklich nichts. Helft mit Quanta zu einem guten Werkzeug für Zope zu machen, wenn Ihr es benutzt. Ich tue das nicht, von daher glaube ich nicht, dass ich es tun könnte. Helft uns mit Vorlagen. Findet ein kleine Sache, die es wert ist bearbeitet zu werden... denn was ich in dieser Zeit gelernt habe ist, dass das alte Sprichwort wahr ist... geben ist seliger als nehmen. Was Du tust, was wir nicht können wird zu Deinem eigenen kleinen Unterprojekt in Quanta... Deine eigene kleine Welt.
Danke an alle, die sich die Zeit genommen haben, dieses Interview und meine Ausschweifungen zu lesen. ;-) Und vor allem danke an alle, die mitgeholfen haben, Quanta zum vielleicht populärsten Open Source Web-Entwicklungs-Werkzeug unter Linux und KDE zu machen.
Man sieht sich im Netz...
Eric Laffoon
Project Manager

Andras:
Ja, Hilfe ist willkommen. Zunächst einmal brauchen wir finanzielle Unterstützung, wie ich oben schon geschrieben habe aber natürlich sind auch Entwickler willkommen. Seid sicher, dass wir eine Arbeit für Euch finden werden. Was die Danksagungen angeht: an erster Stelle möchte ich Eric danken, dass er mich "entdeckt" hat und mir gezeigt hat, dass es möglich ist meinen Traum zu leben (von dem leben, was ich gerne tue). Ich traue ihm und ich denke er ist ein großartiger Mensch. Man bedenke: eine Person, die die Entwicklung von GPL-Software sponsort. Es sollten mehr Menschen seinem Beispiel folgen und auch ich werde das tun, sobald meine finanzielle Situation dies zuläßt.
Es gibt noch andere, denen gedankt werden sollte aber es ist noch wichtig meine Frau zu erwähnen und meine Eltern. Sie haben akzeptiert, dass ich mich für die nicht ganz so sichere Art zu leben entschieden habe und dass es für mich wichtiger ist, mich gut zu fühlen, als reich und unterdrückt zu werden. Das heißt natürlich nicht, dass ich nicht auch gerne mehr Geld verdienen würde. :-)
An alle Benutzer: probiert die neueste Version aus dem KDE CVS aus oder von den KDE RCs, wenn Ihr nicht auf KDE 3.1 warten wollt. Ja, Quanta 3.1 wird ein Teil von KDE 3.1 sein. Und verfolgt die Entwicklung weiter, es wird noch mehr kommen.
Danke, dass Ihr mich zu diesem Interview eingeladen habt.
Andras


Eric Laffoon ist per E-Mail unter der Adresse sequitur@kde.org zu erreichen, Andras Mantia unter der Adresse amantia@freemail.hu. Das Interview zur Anwendung des Monats Quanta führte Andreas C. Diekmann.

Eine Kurzbeschreibung zu Quanta finden Sie an dieser Stelle.

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