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Anwendung des Monats - KsCD!

Interview mit dem Betreuer von KsCD, Aaron J. Seigo:

 

Wann hast Du mit Deiner Arbeit an KsCD angefangen? Kannst Du uns einen kleinen Überblick gebeben, wer alles an dem Projekt beteiligt ist?

Ich erledigte einige schnelle und einfache Arbeiten am Konfigurations-Dialog von KsCD unter KDE 2.2, da die Leute hier ringsum im Haus bei der Hälfte der Optionen nicht wussten, wofür sie gut waren. Aber es begann erst mit KDE3, dass ich richtig mit KsCD zu tun bekam. Das war als Dirk Försterling, der damalige KsCD-Betreuer, mir eine Mail schickte, in der er mich fragte, ob ich nicht interesse daran hätte, KsCD weiter zu betreuen, da er aufgrund seiner Arbeit für die Universität nicht mehr genügend Zeit für KsCD hatte. Natürlich willigte ich ein, seine Arbeit fortzusetzen.

Bernd Wuebben ist der ursprüngliche Autor von KsCD aber KsCD hat sich seit jenen Tagen sehr verändert. Über die Jahre gab es zahlreiche Mitarbeiter, unter anderem Steven Grimm, die die workman Bibliothek schrieb, die KsCD nutzt, um CDs abspielen zu können. In jüngerer Zeit hat Alex Kern eine ganze Menge Arbeit in die libworkman gesteckt, um sie modularer und schlanker zu gestalten.

 

Wie wird die Arbeit an dem Projekt koordiniert?

Koordiniert wäre zuviel gesagt. ;-) Ich erhalte Korrekturen per E-Mail und versuche auf Fehlermeldungen zu antworten. Gelegentlich stellt mal jemand eine Fehlerkorrektur ins CVS. Ansonsten erfolgt die meiste Entwicklungsarbeit durch mich. Die neuesten Beiträge von Alex Kern sind eine große Ausnahme, da er eine Menge Arbeit erledigte und ich kaum etwas anderes tun musste, als ihm den sprichwörtlichen "Daumen nach oben", zeigen, damit er es einbringen konnte.

 

Wie siehst Du die Zukunft von KsCD? Glaubst Du, dass es irgendwann einmal überflüssig werden könnte, bei den ganzen "neuen" multifunktionalen Media-Playern?

Es könnte irgendwann einmal überflüssig werden aber solange es noch Nutzer gibt, wird es auch weiterentwickelt werden. Ich glaube sehr stark an kleine Werkzeuge, die eine ganz bestimmte Funktion erfüllen und wenn man sich einmal die Zahl der Nutzer von KsCD betrachtet, scheine ich nicht der einzige zu sein, der so denkt.

 

Welche Pläne hast Du mit KsCD? Irgendwelche Änderungen oder neue Funktionen?

Ich bin gerade mittendrin, die alte CDDB-Unterstützung aus KsCD auszubauen, um sie mit der neuen libkcddb Bibliothek zu ersetzen. Das sollte dazu führen, dass die ganzen Probleme, die momentan im Zusammenhang mit CDDB auftreten beseitigt werden. Andere neue Funktionen, die kommen werden sind die direkte digitale Wiedergabe (unter Verwendung von audiocd IOSlave), LIRC Unterstützung, sowie einige sehr notwendige Problemlösungen, die die Benutzeroberfläche betreffen.

Einige Dinge an der Benutzeroberfäche sind absolut verwirrend, wie zum Beispiel die Konfigurations-, Ende- und Zeit-Einstellungs-Schaltflächen. Die brauchen wirklich dringend eine Überarbeitung. Möglicherweise baue ich eine Menüleiste ein, um die ganze Funktionalität in die Menüs zu verschieben. Die Schaltflächen für "Abspielen", "Pause", "Stop", "Auswerfen" und " nächstes Stück" werden allerdings so bleiben, wie sie sind.

 

KsCD ist "freie" Software? Wie ist Deine Meinung über "Open Source"

Ich denke Open Source ist ein großartiges Vorbild für die Software Entwicklung. Wenn man den Methoden von Open Source folgt, führt das oft zu qualitativ sehr hochwertiger Software, die sich an den Bedürfnissen der Benutzer orientiert. Dies erlaubt dass Software auf eine Art und Weise geschrieben und verbreitet wird, wie sie in der Unternehmenskultur, die heutzutage in der EDV vorherrscht verloren ging, während die pragmatische Natur der Open Source Bewegung dabei hilft, genau diese Unternehmenskultur zur Sprache zu bringen, so dass wir heute Firmen wie IBM oder Oracle sehen, die in Bezug auf Open Source bedeutende Anstrengungen unternehmen.

Freie Software ist auch ein großartiges Konzept. Als ein pragmatischerer und idealistischerer Blick auf das Produkt, der von Open Source Methodologien stammt, ist er ein Hoffnungsschimmer sowohl für diejenigen, die in benachteiligteren Teilen der Welt leben, wie auch für die, deren Recht auf freie Information durch mächtige Organisationen in Gefahr gebracht wird.

Dennoch stellen weder Open Source noch freie Software ein Allheilmittel dar. Im Falle von Open Source führt schlampige Programmierung immer noch zu schlechter Software. Open Source ist nur so fehlerfrei, wie seine Betreuer dafür Sorge tragen (können). Einfach einen Haufen Code unter einer Open Source Lizenz zu veröffentlichen macht ihn nicht wundersam besser, als er ist. Außerdem gibt es Bedürfnisse in Randbereichen, die Open Source nicht wirklich gut erfüllt. Das ist häfig der Fall, da diese Software sehr schwer zu schreiben ist, durch Gesetzgebung behindert oder einfach zu wenig Nachfrage besteht, so dass sie für einen Programmierer interessant werden könnte.

Andererseits ist die Philosophie der freien Software auch kein Allheilmittel, da Software nicht alle Probleme und Herausforderungen unserer komplexen Welt lösen kann. Freie Software kann dabei helfen Leuten ein Werkzeug in die Hand zu geben, das sie benötigen, um ein glückliches und erfülltes Leben aufbauen zu können, wie auch Freiheit in jeder Gesellschaft von der Fähigkeit der Menschen abhängt, miteinander zu kommunizieren und frei miteinander Informationen auszutauschen. Aber es gibt noch andere Dinge, die ebenfalls vorhanden sein müssen.

Solange sowohl Open Source und freie Software lohnenswerte und wertvolle Konzepte sind, die unserer menschlichen Erfahrung mehr geben als nehmen, sind sie meiner Ansicht nach ein Teil des großen Puzzels.

 

Was denkst Du über die Kopierschutzbemühungen der Plattenfirmen?

Die Leute sollten frei entscheiden können, unter welcher Lizenz sie ihre Arbeit stellen. Im Gegenzug sollten die anderen diese Entscheidung respektieren. Ich hätte es nicht gerne, wenn jemand den Code, den ich unter der GPL veröffentlicht habe nimmt und daraus ein Closed Source Software Produkt macht. Genauso sollte ich es respektieren, wenn ein Künstler nicht möchte, dass ich seine Arbeit habe, ohne vorher dafür gezahlt zu haben.

Trotzdem heißt dass nicht, dass solche Lizenzen uns andere Rechte nehmen sollten. Wir sollten das volle Recht haben an den Dingen, die wir rechtmässig erworben haben, herumbasteln zu dürfen, sie in Ordnung zu bringen und Teile und Daten zu modifizieren. Jede Anstrengung solche Freiheiten einzuschränken, wird umgangen, indem nicht geschützte Geräte gekauft werden, das Produkt boykottiert oder Lösungen entwickelt werden, diese Einschränkungen zu umgehen.

Ich erinnere mich an die Zeit, als ein Kopierschutz in Software üblich war. Ganz egal mit welchen Maßnahmen die Industrie auch aufwartete, es gab immer eine Handvoll Werkzeuge, die es einem erlaubten, einfach drumherum zu kommen. Letztendlich stellte die Software Industrie ihre Bemühungen ein, eine Lizenzierung durch Kopierschutzmechanismen zu erzwingen, da es aussichtslos war und nur den Verkauf behinderte. Die Musikindustrie wird irgendwann die gleiche Lektion lernen oder untergehen.

Das bringt uns zum Thema der kleinen Labels und unabhängigen Künstler. Während die großen Musikfirmen sich bei der Kopierschutzdiskussion selbst aufspießen (und die Rechte ihrer Kunden), tut sich ein Fenster mit exzellenten Möglichkeiten für unabhängige Künstler auf. Ich bin froh, dass viele von ihnen die Gunst der Stunde nutzen.

 

Wird KsCD in irgendeiner Art finanziell unterstützt?

Nein. Als Anwendung ist es einfach nicht wichtig genug, um eine finanzielle Unterstützung zu verdienen. Damit will ich aber nicht sagen, dass ich böse wäre, wenn jemand meine Arbeit daran oder an KDE allgemein finanziell unterstützen würde. ;-)

 

Was sind Deine Lieblingswerkzeuge unter KDE?

Konqueror ist ein Muss zum Browsen im Web, zur Fernverwaltung von Dateien und zur Bedienung von Dingen wie Bildersammlungen. Katepart kommt noch die ganze Zeit hinzugesprungen und ist wirklich in den letzten Monaten zu meinem meistgenutztem Texteditor geworden. Konsole ist die beste Terminal Anwendung, die ich je benutzt habe, Punkt. KTuberling eignet sich hervorragend dazu meinen Sohn zu beschäftigen.

KMail, Kicker, Kopete und Ksirc spielen bei meiner täglichen Arbeit auch eine wichtige Rolle. Die geteilten Arbeitsoberflächen unter KDE sind auch sehr nützlich.

 

Welche Betriebssysteme und Hardware benutzt Du bei der Arbeit / zuhause?

Zuhause: eine zusammengewürfelte Mischung aus Pentium und Pentium II Systemen. Mein Hauptsystem für die KDE-Entwicklung ist ein PII-400 mit 256 MB RAM. Nichts wirklich aufregendes oder besonders leistungsstarkes. Was die Software angeht, so läft darauf Mandrake und SuSE. Auf einem System läft auch ein Red Hat aber auf der Kiste wurde seit fünf Jahren kein neues System installiert. In der Hinsicht ist Linux einfach klasse.

Bei der Arbeit: wieder ein Intel Systeme aber etwas leistungsstärker, von einem Pentium PIII mit 700 MHz bis zu einem Dual 1 GHz System. Bei der Arbeit setze ich mehr Red Hat ein, als zuhause aber auch hier ist es überwiegend Mandrake und SuSE.

 

Kannst Du uns ein wenig über Dich erzählen?

Ich wurde 1975 geboren und bin europäischer Abstammung (hauptsächlich englisch und ungarisch). Momentan lebe ich in Calgary, Alberta aber den längsten Teil meines Lebens habe ich bisher an der Westküste von Kanada und Hawaii gelebt. Von Beruf bin ich Software Entwickler und zur Zeit arbeite ich fast ausschließlich unter Linux. Ich habe viele verschiedene Interessen, wie die Antwort auf die nächste Frage zeigen wird.

 

Wie verbringst Du Deine Freizeit (wenn Du so etwas überhaupt hast ;-) )?

Du meinst außer der Arbeit an KDE, oder? Ein großer Teil meiner Freizeit bleibt da hängen. Code schreiben, mit Fehlern und Korrekturen kämpfen, E-Mails lesen, im IRC chatten und all die anderen netten KDE Dinge schlucken ein großes Stück meiner freien Zeit.

Neben der Arbeit an KDE, gibt es viel, was mich beschäftigt hält. Ich habe einen drei Jahre alten Sohn namens Peyton und eine wundervolle Frau, Mahlah, mit der ich zusammenlebe und die auch Peytons Mutter ist. Eine Familie zu haben kostet auch ein ganzes Stück Zeit.

In der Zeit, die mir noch bleibt engagiere ich mich in meiner örtlichen LUG und allgemeinen Linux Angelegenheiten, ich spiele Fußball (also Soccer) in einer Stadtliga, ich spiele Gitarre (Akkustik), ich schreibe (hauptsächlich Poesie), ich erkunde aktiv andere soziale Konzepte mit einigen Gruppen hier in Calgary, ich versuche mit meinen Freunden in Kontakt zu bleiben und manchmal sitze ich einfach nur still und grübelnd da und lasse den Klang der Welt um mich herum auf mich wirken...


Aaron J. Seigo ist per E-Mail unter der Adresse aseigo@olympusproject.org zu erreichen. Das Interview zur Anwendung des Monats KsCD führte Andreas C. Diekmann.

Eine Kurzbeschreibung zu KsCD finden Sie an dieser Stelle.

[ Edit ]

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