Anwendung des Monats - Kover!
Interview mit dem Betreuer von Kover, Adrian Reber:
Wie bist Du zum Kover-Projekt gekommen?
Kover war ein Programm das damals noch unter KDE1 lief. Ich habe es immer mal wieder benutzt und fand es eigentlich recht praktisch, weil es genau das machte was ich wollte. Es lief bei mir zwar nicht perfekt, aber es hat mir gereicht.
Irgendwann kam dann mal KDE2 raus, aber das Projekt wurde nicht weiterentwickelt. Zu der Zeit war ich gerade für ein halbes Jahr in Palo Alto und da ich keinen Computer mit Internetanschluss in meiner Wohnung hatte, war ich immer ziemlich lange im Büro. Dort gab es bessere Computer, schnelles Internet und Cola in Dosen umsonst. Und da ich nicht die ganze Zeit arbeiten wollte habe ich mich entschlossen Kover nach KDE2 zu portieren. Nachdem der Originalautor es nicht mehr weiterentwickelt hat und froh war, dass es jemand fortgesetzt hatte, war ich ab da für das Projekt verantwortlich.Denkt man, wenn man Kover hört nur an Adrian Reber oder sollte noch jemand anderes erwähnt werden? ;-)
Natürlich der Originalautor Denis Oliver Kropp. Manche (wenige) Teile vom Code sind noch unverändert, aber der Großteil ist teilweise schon ziemlich anders. Natürlich bin ich auch froh über all diejenigen, die Übersetzungen für Kover gemacht haben. Es haben mir auch schon verschiedene Leute mal Patches zugesandt, aber bis jetzt war Kover noch nicht so interessant, dass jemand sich extrem engagiert hat. Wäre wahrscheinlich gar nicht schlecht, wenn jemand dabei wär, weil es das Projekt bestimmt etwas schneller voran bringen würde.
Wieviel Zeit investierst Du in das Projekt? Wirst Du in irgendeiner Form gesponsort?
Zeit investiere ich momentan extrem wenig darin. Liegt hauptsächlich daran, dass ich eher an anderen Projekten arbeite und mir irgendwie etwas die Motivation fehlt. Ich bereite schon länger einen neuen Release vor, aber der letzte Schliff vor eben diesem Release fehlt noch.
Gesponsort werde ich leider überhaupt nicht. Alles meine Freizeit. Aber ich würde sowieso vor dem Computer sitzen, so dass es doch was postives hat.
Wie sehen die weiteren Planungen für Kover aus? Dürfen wir uns auf neue Funktionen freuen?
Ideen habe ich viele und Anfragen gibt es noch mehr. Problem ist nur, dass all das ein komplettes Redesign nötig macht. Die meisten Anfragen gehen in die Richtung, dass man doch die Bilder frei positionieren können soll, verschiedene Schriftarten und auch die Texte frei positionieren. All das geht mit dem jetzigen Design meines Erachtens nach nicht. Wie ich diese Wünsche sehe, würde es ja im Endeffekt auf ein Malprogramm mit fester Größe (CD-Hüllengröße) und CDDB Unterstützung rauslaufen. Und das ist wahrscheinlich einfacher als Script für Gimp implementiert. Wäre schon schön wenn ich das so implementieren könnte, dazu fehlt mir dann aber doch die Zeit.
Einfachere neue Funktionen in der Zukunft wird auf alle Fälle die Möglichkeit sein, nicht nur Audio-CD-Hüllen automatisch zu generieren, sondern auch Hüllen für Daten-CDs. Wie genau ich das mache, weiss ich nicht, aber ich möchte irgendwie die Möglichkeit bieten, dass der Inhalt von einem Verzeichnis dargestellt werden kann, ohne viel zu tippen.
Was auf alle Fälle in der nächsten Version drin sein wird ist, dass Dateien die mit K3b erzeugt wurden von Kover importiert werden können, so dass man - falls man mit K3b eine CD gebrannt hat - sich etwas Tipparbeit sparen kann.
Kover ist "freie" Software. Hast Du schon einmal daran gedacht, es kommerziell zu vertreiben? Was denkst Du allgemein über Open Source?
Kommerziell würde ich es nicht vertreiben. Erstens gefällt mir die ganze Open Source Sache viel zu gut und zweitens glaube ich auch nicht, dass es sich in irgend einer Weise für mich lohnen würde. Außerdem will ich ja, dass Kover genutzt wird. Alles andere als Open Source ist für mich auch nicht denkbar. Vor allem die GPL gefällt mir sehr gut.
Erzähl doch ein bißchen über Dich. Wie verdienst Du Deine Brötchen?
Okay. Ich bin 26 Jahre alt. Vor einem Jahr habe ich mein Diplom als Softwaretechnikingenieur von der Hochschule in Esslingen bekommen. Seitdem arbeite ich beim STZ-Softwaretechnik (STZ=Steinbeis-Transferzentrum). Das STZ wiederum leiht mich an die Festo AG aus, wo ich zur Zeit sitze und arbeite. Parallel zu meiner Arbeit bei Festo mach ich einen Masterstudiengang an der Brunel University in Distributed Computing Systems Engineering (oder so ähnlich). Der Grund warum ich über das STZ bei einer anderen Firma arbeite ist, dass das STZ eben jedes Jahr mehrere Leute bei diesem Masterstudium unterstützt und so die ganze Sache erheblich einfacher für mich ist.
Wie sieht die Hardware aus, mit der Du arbeitest?
Ich habe einen Pentium III, 800 MHz mit 256 RAM und vielen Festplatten. Also nicht gerade das obere Ende der momentan verfügbaren Hardware. Natürlich habe ich ein Netz, an dem noch ein K6 300Mhz dranhängt plus 2 Notebooks (das von mir und meiner Freundin). Auf allen Systemen läuft debian.
Gibt es irgendwelche Lieblingswerkzeuge von Dir unter KDE?
Eigentlich nutze ich sonst nichts von KDE. Ich habe einen Windowmanager (openbox), xterms, xmms, mozilla und mehr brauche ich eigentlich nicht. Das ist wahrscheinlich auch der Grund warum ich mich mit 800MHz zufrieden gebe.
Was tust Du sonst noch in Deiner Freizeit, wenn Du nicht gerade an Kover arbeitest?
Da ich ja zur Zeit recht wenig an Kover arbeite sollte ich ja genügend andere Freizeit haben. Ich sitze natürlich viel vor meinen Computern, aber oft eben weil ich etwas schreiben muss für den Masterstudiengang. Ich hab noch ein anderes Projekt, das mir sehr am Herzen liegt. Ich betreibe einen FTP Server der für einige Projekte als Mirror fungiert. Darunter befindet sich auch ftp.KDE.org, ftp.kernel.org, verschiedene Distributionen und weitere Projekte. Der Server ist unter ftp-stud.fht-esslingen.de zu erreichen, und dort findet man auch eine vollständige Liste der verfügbaren Inhalte. Der Server ist nicht wahnsinnig viel Arbeit, aber ich habe schon jeden Tag ein Auge drauf, dass alles so läuft wie es soll. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich dann noch gleich für die Unterstützung des Rechenzentrums an der Hochschule Esslingen bedanken, ohne die dieses Projekt in diesem Umfang nicht möglich wäre. Sonst versuche ich manchmal eben nicht so viel Zeit vor dem Computer zu verbringen sondern eher mit meiner Freundin. Manchmal überwinde ich mich dazu paar Kilometer zu joggen, aber meistens siegt die Faulheit.
Adrian Reber ist per E-Mail unter der Adresse adrian@lisas.de zu erreichen. Das Interview zur Anwendung des Monats Kover führte Andreas C. Diekmann.
Eine Kurzbeschreibung zu Kover finden Sie an dieser Stelle.
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KDE für deutschsprachige Benutzer