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Anwendung des Monats - Kile!

Interview mit dem Autor von Kile, Jeroen Wijnhout:

 

Wie bist Du in dieses Projekt geraten und was ist Deine Aufgabe darin?

Nachdem ich Kile eine Weile benutzt hatte, beschloss ich, ein paar Funktionen zu implementieren und ein paar Fehler zu beseitigen.
Aus diesem Grund setzte ich mich mit Pascal Brachet in Kontakt, den damaligen Entwickler von Kile und bot ihm meine Hilfe an.
Es stellte sich heraus, dass er die Entwicklung von Kile einstellen wollte. So erhielt ich mehr, als ich eigentlich wollte, ein paar Wochen später übernahm ich das Projekt. Da Pascal immer alleine gearbeitet hatte musste ich alle seine Jobs mitübernehmen, was bedeutete, dass ich gleichzeitig Projektmanager und Entwickler bin. Aber viele Entwickler aus dem KDE Team haben mir seither geholfen. Und trotzdem: falls irgendjemand Interesse daran hat Aufgaben im Projektmanagement-Bereich zu übernehmen, würde mich das sehr freuen.

 

Was motiviert Dich, in so einem Projekt mitzuarbeiten?

Das Bearbeiten von TeX/LaTeX Dateien, kann manchmal ganz schön mühsam sein und da ich KDE sehr mag, wäre es doch schade, wenn es unter KDE kein gutes Werkzeug gäbe, das einem diese Aufgaben leichter macht. Außerdem macht Programmieren wirklich Spaß, umso mehr, wenn man an einem Programm arbeiten kann, dass von vielen Leuten auf der ganzen Welt genutzt wird.

 

Pascal Brachet war der vorige Entwickler. Wer sollte noch erwähnt werden, wenn wir über Kile sprechen?

Die Liste ist lang. Es gibt Übersetzer, Leute, die Pakete erstellen und ein paar, die Patches einsenden. Sehr hilfreich sind ein paar der erfahreneren Entwickler aus dem KDE Team, wie Laurent Montel. Sie wachen über die Qualität des Codes.

 

Ich glaube die nächste Version wird Version 1.6 sein. Welche neuen Funktionen oder Änderungen dürfen wir erwarten?

Aus technischer Sicht, wird der Unterschied riesig sein. Viele Teile des Programms sind total neu programmiert. Aber die wichtigste Änderung ist, dass der interne Editor für Kile der selbe sein wird, wie ihn auch Kate benutzt. Dieser Editor ist sehr viel mächtiger, als der momentane Editor von Kile: flexible Syntax Hervorhebung, Block-Auswahl, Editier-Kommandos, um nur ein paar zu nennen. Das wird viele Fehler beseitigen und Wünsche berücksichtigen, die Benutzer gemeldet haben.
Eine einfache Art des Projekt Managements, eine viel gewünschte Funktion, ist auch für die Version 1.6 geplant. Außerdem wird es viele Bugfixes und kleinere neue Funktionen geben (die schon oft von Benutzern vorgeschlagen wurden).

 

Wird Kile in irgendeiner Form gesponsort?

Kile wird auf soureforge.net ( http://www.sourceforge.net/projects/kile) gehostet. Sourceforge bietet einen Platz für die Webseite, einen Download-Bereich, Mailinglisten und vieles mehr. Der Source-Code von Kile liegt auf einem KDE CVS Server. Wir erhalten allerdings keine direkte finanzielle Unterstützung.

 

Um mit Kile arbeiten zu können, braucht man gewisse Kenntnisse in TeX/LaTeX, es ist also nicht so einfach zu benutzen, wie z. B. KWord. Wie würdest Du jemanden davon überzeugen, seine Dokumente mit Kile zu ertellen? ;-)

Selbstverständlich braucht man ein wenig Zeit, um TeX/LaTeX zu lernen. Aber im Vergleich zu KWord, ist TeX/LaTeX sehr viel mächtiger.
Manche Benutzer brauchen nicht die Mächtigkeit von TeX/LaTeX, sie können natürlich KWord benutzen.
Wenn man diese mächtigen Werkzeuge braucht, möchte man sich das Leben so leicht wie möglich machen, indem man ein Werkzeug benutzt, das eine benutzerfreundliche Oberfläche um die Kommandozeilen-Programme zur Verfügung stellt, die man für die Erstellung von TeX/LaTeX Dokumenten benötigt. Kile stellt so eine Umgebung zur Verfügung aber sie hilft einem auch, die TeX-Quellcode Dateien zu editieren.
Zum Beispiel bietem einem Kile die Möglichkeit, ganz einfach LaTeX Kommandos einzufügen, zu Zeilen mit Fehlern zu springen oder eine grafische Darstellung der Dokumentenstruktur (Abschnitte, Kapitel, etc.) anzuzeigen. Eine sehr angenehme Funktion ist auch, dass man von einer Stelle in der DVI Datei (wenn man sie z. B. mit KDVI betrachtet) zur entsprechenden Stelle im LaTeX-Source Code springen kann und wieder zurück.

 

Was sind (von Kile einmal abgesehen ;-) ) Deine Lieblingswerkzeuge unter KDE?

Abgesehen von den Entwickler-Werkzeugen, wie KDevelop & Cervisia, habe ich KMail und KOrganizer sehr gern, die mir bei der Organization des Kile Projekts sehr gute Dienste leisten.

 

Kile wird unter der GPL veröffentlicht und ist damit ein weiteres gutes Beispiel dafür, dass großartige Software nicht teuer sein muss, ja dass sie sogar umsonst angeboten werden kann. Was denkst Du über Open Source?

Da ich einen akademischen Background habe, ist es ganz natürlich für mich, meine Ergebnisse mit anderen zu teilen. Wissenschaftler sind daran gewöhnt, ihre Ergebnisse frei und offen zu teilen. Das hilft anderen Wissenschaftlern dabei auf Grundlage der Ergebnisse der anderen aufzubauen und dadurch schneller Fortschritte zu machen. Im Open Source Umfeld ist es ganz ähnlich, das Codeteilen mit anderen erlaubt der Gemeinschaft, Software effizienter zu entwickeln. Anders gesagt, ich denke, dass Open Source Software einen großen Gewinn darstellt. Es hilft Entwicklern dabei, das Rad nicht mit jedem Projekt neu erfinden zu müssen.

 

Hast Du eine "Vision" oder Wünsche, wenn Du Dir den "Desktop der Zukunft" vostellst?

Idealerweise wird der Desktop der Zukunft auf offenen Standards basieren, nicht nötigerweise Open Software, auch wenn das großartig wäre. Einmal angenommen, die Dokumentformate von MS Office und KOffice, würden alle auf einem offenen Standard basieren. Dann könnten die Benutzer ohne Probleme untereinander die Dokumente tauschen und es würde keinen Unterschied machen, ob jemand unter KDE oder unter Windows arbeitet. Hier ist auch die Regierung gefragt. Wenn sie die ersten wären, die Software einsetzten, die auf offenen Standards basiert, würde der Rest vielleicht folgen. Glücklicherweise haben einige europäische Regierungen bereits begonnen, offene Standards aktiv zu unterstützen.

 

Wie sieht die Hard- und Software aus, mit der Du arbeitest?

Ich setze SuSE 8.1 mit einem 2.4.20er Kernel ein, auf einem AMD Athlon XP 1800+. SuSE ist großartig, weil es so viele fertige Pakete mitbringt, einfach alles, was man braucht (und viel mehr). Ich setze fast ausschließlich freie Software ein (außer Mathematica).

 

Erzähl doch ein bißchen über Dich selbst. Wie verdienst Du Deine Brötchen und wie verbringst Du Deine Freizeit (wenn Du überhaupt welche hast ;-) )?

Nun, ich bin 26 Jahre alt und lebe in einer kleinen Stadt in der Nähe von Amsterdam. Die Universität von Amsterdam war so nett, mir eine Stelle in der "String Theory" Gruppe am Institut für Theoretische Physik anzubieten. Das läßt mir wenig freie Zeit und die verbringe ich mit der Entwicklung von Kile. Aber wenn ich nicht an Kile arbeite, liebe ich es, meine freie Zeit mit Gitarrenspielen und Fahrradfahren zu verbringen.


Jeroen Wijnhout ist per E-Mail unter der Adresse Jeroen.Wijnhout@kdemail.net zu erreichen. Das Interview zur Anwendung des Monats Kile führte Andreas C. Diekmann.

Eine Kurzbeschreibung zu Kile finden Sie an dieser Stelle.

[ Edit ]

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