Anwendung des Monats - Digikam!
Interview mit dem Autor von Digikam, Renchi Raju:
Wann hast Du mit Deiner Arbeit am Digikam-Projekt begonnen? Wer sollte ebenfalls erwähnt werden, wenn wir von Digikam sprechen?
Digikam startete im Dezember 2001 als ganz einfache Anwendung. Das war zu der Zeit, als ich in Besitz einer Digitalkamera kam. Es gab keine eigene Anwendung unter KDE für Digitalkameras und Kamera war sehr langsam im Herunterladen von Dateien. Es fing als ganz einfacher Dialog, mit wenigen Knöpfen an aber im Laufe der Zeit wuchs es langsam zu einer voll funktionstüchtigen Anwendung und die aktuelle Version (0.6 ist gerade im Beta-Stadium), verspricht die funktionsreichste und am einfachsten zu benutzende Anwendung zur Verwaltung von digitalen Photos unter UNIX zu werden.
Außer mir gibt es noch zwei andere Digikam-Entwickler. Caulier Gilles ist der andere Koordinator des Projekts und Digikam hätte ohne ihn nie seinen jetzigen Zustand erreicht. Er hat das Projekt am Leben erhalten, als ich einmal für einige Zeit aus der Szene "verschwand". Er ist Autor von einigen Plugins, wie man auf der Webseite sehen kann. Er ist ebenfalls unser Übersetzungs-Koordinator und verwaltet alle damit zusammenhängende Aspekte des Projekts. Todd Shoemaker ist Autor eines exzellenten Druckassistenten für Digikam. Abgesehen von den zwei genannten Personen, würde ich gerne Marcus Meissner, Achim Bohnet und anderen für ihre Patches und Projekt-Beiträge danken.Wir wird das Projekt verwaltet?
Unser Projekt liegt bei Sourceforge, mit CVS, Mailing-Listen, Fehlermeldungen und Einreichen von Patches und das half uns sehr wesentlich dabei, unsere Entwicklungsarbeit in einer sauberen und organisierten Art zu erledigen. Ich schreibe und pflege die Kern-Anwendung (Album-Schnittstelle, Kamera-Schnittstelle und der Bild-Betrachter/Editor) unter Mithilfe von Gilles. Digikam hat ,wie bereits erwähnt, eine Plugin-Architektur und jeder Entwickler pflegt einen Teil davon. Todd ist für den Druckassistenten verantwortlich, Gilles pflegt die CD-Archivierung, HTML-Export und MPEG-Encoder-Plugins, während ich den reinen Plugins zur Bild-Konvertierung, den Kommentar-Editor, sowie die Plugins zur verlustfreien JPEG-Rotation und zur Diashow pflege.
Die Liste der unterstützten Kameras ist ziemlich lang. Wie schafft Ihr das, sie alle zu testen?
Tatsächlich testen wir keine Kameras. Intern benutzen wir gphoto für die Kamera-Funktionen und diese Bibliothek ist ziemlich gut mit sehr vielen Kameras getestet. Wenn ein Benutzer ein Problem mit einer bestimmten Kamera meldet, versuchen wir herauszufinden, ob das Problem auf unserer Seite liegt und wenn nicht, verweisen wir sie zur Lösung der Frage an die gphoto Entwickler.
Was sind die weiteren Pläne für Digikam? Dürfen wir uns auf irgendwelche neuen Funktionen freuen?
Wir sind gerade dabei, Digikam für die Version 0.6 vorzubereiten. Wir hatten einige (ziemlich fehlerhafte) Beta-Versionen. Seitdem haben wir einige erhebliche Änderungen im Programm vorgenommen und wir sind mittlerweile beim "Feature-Freeze" Status angelangt. Die Anwendung und die Plugins sind stabil genug für den täglichen Einsatz; aber wir müssen die Dokumentation und die Übersetzungen auf den neuesten Stand bringen. Man kann recht bald eine weitere Beta-Version und dann die endgültige Version erwarten.
Wenn ich in die unmittelbare Zukunft blicke, so wird die Kern-Anwendung etwas umgeschrieben werden, um ein komponentenbasiertes System (ähnlich wie bei gideon) nutzen zu können, so dass wir eine voll integrierte Anwendung haben, in der die Album- und Kamera-Schnittstelle zu Komponenten werden, die unabhängig voneinander weiter entwickelt werden können. Außerdem werden wir zu imlib2 wechseln (Digikam benutzt momentan imlib1) und mehr Schnittstellen zur Grafikbearbeitung werden um das Ganze herum gebaut. Zudem werden wir noch mehr Plugins entwickeln (wie z. B. die Batch-Bearbeitung von Grafiken) und die schon existierenden Plugins verbessern (z. B. wird der MPEG-Encoder dahingehend erweitert, dass er VCD/DVD Images schreiben kann). Wir würden Digikam gerne an der Spitze der Bildverwaltungsprogramme unter UNIX sehen und es sollte dabei so einfach zu benutzen sein, dass auch technisch weniger versierte Benutzer es ohne Probleme benutzen können, ohne zuvor die Anwendung gelesen zu haben.Digikam ist unter der GPL veröffentlicht. Was waren die Gründe hierfür? Was denkst Du über "Open Source?
Ich bin schon seit langem ein Linux/FreeBSD Benutzer und wollte der Gemeinschaft schon immer etwas zurück geben für die ganzen Open Source Werkzeuge, die ich bei meiner täglichen Arbeit benutze. Daher gab es für mich keinen Zweifel daran, als ich mit der Entwicklung von Digikam begann, dass es eine Open Source Anwendung werden würde. Ich bin kein Open Source Fanatiker, ich benutze jede Menge kommerzielle Software bei meiner täglichen Arbeit. Aber mir gefällt die Vorstellung, dass die Entwicklung von Digikam als Open Source Anwendung Menschen geholfen hat, einen Blick auf den Code zu werfen und Patches beizutragen und es zu verbessern; und ich habe ebenfalls Code von mehreren Open Source Projekten angepasst.
Wird die Arbeit an Digikam in irgendeiner Form finanziell unterstützt?
Nein, Digikam wird in keinster Weise gesponsort und ich rechne auch nicht damit. Es war ein Freizeit-Projekt (um C++ zu lernen). Wir sind aber Sourceforge sehr dankbar, dass sie unser Projekt hosten und für die ganze Hilfe, um die wir gebeten haben.
Hast Du (außer Digikam ;-) ) irgendwelche Lieblingswerkzeuge unter KDE?
Konqueror ist mein Lieblingsdateimanager und auch kdevelop/gideon mag ich wirklich gern (auch wenn ich es nicht so oft benutze, da ich die meiste Entwicklerarbeit mit emacs erledige).
Wir könnte/sollte der "Desktop der Zukunft" Deiner Meinung nach aussehen?
Vorraussagen im Softwarebereich sind sehr riskant aber hier ist meine Einschätzung: die Zukunft der Benutzeroberflächen ist schon fast angebrochen... MAC OS X ist auf dem richtigen Weg dorthin. Wir brauchen einen starken Innovationsschub bei Linux/BSD hin zu einem schnellen Desktop, der gut reagiert und einen Dinge intuitiv erledigen läßt. (Auch auf die Gefahr hin, jetzt beleidigt zu werden) Ich glaube nicht, dass KDE/Gnome diese Ziele schon erreicht haben. Es ist der Endbenutzer den Entwickler im Sinn haben sollten, wenn sie entwickeln. Hast Du schon einmal den Papierkorb auf einem MAC OS X Desktop gesehen? Absolut brilliant. Kleine Dinge wie dies sind es, die einen Desktop groß machen.
Was für ein Betriebssystem und welche Hardware setzt Du ein?
Zuhause habe ich einen Windows XP Laptop (ängstliches Grinsen)... ich habe es noch nicht geschafft meine Frau von den Microsoft Fesseln zu befreien. Meine Entwicklerarbeit erledige ich auf einer Athlon Dual-Prozessor Maschine, auf der Debian läft (meine Lieblings-Linux-Distribution).
Renchi Raju ist per E-Mail unter der Adresse renchi@pooh.tam.uiuc.edu zu erreichen. Das Interview zur Anwendung des Monats Digikam führte Andreas C. Diekmann.
Eine Kurzbeschreibung zu Digikam finden Sie an dieser Stelle.
[ Edit ]
KDE für deutschsprachige Benutzer