Anwendung des Monats - KView!
Klaus Stärk hat den Maintainer von KView, Matthias Kretz, interviewt:
Wann und wie bist Du zum KDE-Projekt gekommen und wie bist Du neben Deinen Arbeiten an KView noch in das Projekt mit eingebunden?
Das Ganze hat für mich im Sommer 2000 richtig begonnen. Ich habe mir damals die Alpha und Beta Versionen von KDE 2 geladen und später dann auch über anonymous CVS. Außerdem habe ich mich in die KDE-Mailinglisten eingetragen. Ich habe also Tester gespielt und ab und zu auch mal einen Bugreport geschrieben.
Der Sourcecode war mir da eigentlich noch zu hoch (fast keine Programmiererfahrung). Auf eine Fehlermeldung im KView hin hat David Faure mir geantwortet, dass sich leider niemand mehr um das Programm kümmert und so habe ich mich drangemacht und den Fehler selbst behoben (und natürlich dann einen Patch zurückgeschickt). Dann habe ich mich in KView eingearbeitet und nachgefragt, ob ich das Programm übernehmen darf. Naja, so bin ich halt zum KView-Maintainer geworden.
Ansonsten mache ich ab und zu mal hier und da eine Verbesserung/Bugfix, wenn mir was auffällt.
An welchen anderen OSS-Projekten bist Du sonst noch beteiligt?
Außer an KView habe ich auch großes Interesse an allem, was Multimedia in KDE betrifft. Ein paar kleine Teile in aRts sind inzwischen auch auf mich zurückzuführen (Compressor, Delay und CDelay Module, Recording). Brahms ist auch noch ein Projekt, an dem ich mitarbeite - allerdings viel weniger, als ich gerne tun würde.
Welche Rolle spielst Du selbst bei der Entwicklung von KView und wer ist außer Dir an der KView-Entwicklung beteiligt?
Seit dem ich KView als Maintainer übernommen habe, habe ich das eigentlich alles alleine gemacht. Ian hat eine Erweiterung zum Scannen in KView eingebaut und vor kurzem habe ich einen Patch bekommen. Sonst lief es bisher so, dass ich auf die Arbeit von Taj und Tronical aufgebaut habe.
Welche Neuerungen hat uns das KDE Release 3 für KView gebracht?
Leider noch keine (außer dass manches schlechter funktioniert). Aber im Moment bin ich an einer kompletten Überarbeitung des Programms. Bis KDE 3.1 sollte das neue KView dann fertig werden. Die zwei wichtigsten Punkte zu der neuen Version:
- KView wird schneller
- Plugin Schnittstelle
Welche persönlichen Pläne und Wünsche hast Du für die weitere Entwicklung von Grafik- und Multimedia-Anwendungen für KDE?
Oh, ich glaube mit aRts und KDE haben wir eine Plattform, mit der man noch sehr viel machen kann. Ich freue mich jetzt schon darauf, was in der nächsten Zeit noch passieren wird - es kann eigentlich nur genial werden ;-)
Was ich mir wünsche, ist eine Umgebung, mit der man alles tun kann, was Multimedia betrifft; eine Möglichkeit Video, Midi (extern und/oder aRts Synthesizer), Audio, 3D Objekte, "was einem sonst noch einfällt" miteinander zu verknüpfen, erstellen und bearbeiten zu können.
Was denkst Du über "Open Source" und was bewegt Dich persönlich, Deine Programme kostenlos zu veröffentlichen?
Open Source war für mich die Möglichkeit, viel zu lernen und Programmiererfahrung zu bekommen. Ich fand es genial, als ich anfing mit Linux zu arbeiten, dass ich nun endlich legal Software installieren konnte (und das auch noch qualitativ hochwertig). Für mich war es wichtig, mich da irgendwie zu beteiligen. Außerdem kann ich dadurch Programme entwickeln, die ich alleine niemals schaffen könnte. Die Community ist eine echt super Sache. Und warum sollten andere nicht auch das benutzen können, was ich programmiere?
Hattest Du schon einmal die Gelegenheit, andere KDE-Entwickler - insbesondere KView-Entwickler - "im richtigen Leben" kennenzulernen?
Das einzige Mal, dass ich andere KDE-Entwickler getroffen habe, war der LinuxTag 2001. Taj war nicht da (hätte mich auch gewundert). Das war eine tolle Sache und ich wünsche mir, wir hätten öfter Gelegenheit dazu.
Wieviel Zeit verbringst Du pro Tag oder pro Woche mit der Arbeit am KDE-Projekt?
Schwer zu sagen - das ist immer anders. Aber im Mittel dürften das etwa 3 Stunden pro Tag betragen.
Setzt Du Dich für die Verbreitung von Linux/KDE in Deiner Umgebung besonders ein und wenn ja, wie?
Ja, aber nicht wirklich "besonders". Die meisten meiner Bekannten und Freunde wissen natürlich, dass ich mit Linux arbeite und ich bringe immer wieder die Anmerkungen, wo Linux besser ist als Windows, wenn sich die Gelegenheit ergibt.
Ich biete mich auch an, Linux-Distributionen aus dem Internet zu laden und auf CD zu brennen und dann beim Installieren und Einrichten zu helfen. Außerdem habe ich auch schon ein paar Linux-Server eingerichtet.
Wie denkst Du allgemein über die Zukunft von "Linux und KDE auf dem Desktop"?
In Zukunft kann es eigentlich nur noch besser werden. Mein Hauptproblem beim "Linux verbreiten" ist, dass MS Office verlangt wird - aber ich habe große Hoffnung...
Wie bist Du zum Programmieren gekommen, und was würdest Du jemandem raten, der jetzt damit anfängt?
Mein Vater hat früher ein paar Dinge in Basic PDS (Professional Development System ;-) programmiert. Ich habe mich damals (ich war etwa 8 Jahre alt und konnte natürlich auch kein Wort Englisch) oft daneben gesetzt und immer mal wieder nachgefragt, was er da macht und wie das funktioniert. Wenn ich dann mal an dem Computer saß, habe ich auch ab und zu programmiert. Das hat sich natürlich immer weiter entwickelt - aber zu C/C++ bin ich erst 1999 gekommen. Vorher kannte ich leider nur Basic und Pascal.
Das wichtigste für mich zum Lernen waren die Herausforderungen - wenn ich nicht wußte, was ich programmieren sollte, habe ich nichts gelernt. Man sollte sich also ein paar Aufgaben suchen oder jemanden, der einem Aufgaben stellen kann und am Besten auch noch ein Buch - wobei ich mich eigentlich immer nur mit Online-Hilfen "weitergebildet" habe.
Was macht Matthias Kretz in seiner Freizeit, wenn er nicht gerade am Programmieren für das KDE-Projekt ist?
Gibt's das? Drei Dinge stechen dabei raus: Sport, Musik (Cello) und Gemeinde.
Das wichtigste davon ist mir die Gemeinde. Als aktiver Christ bin ich da schon öfter unterwegs. Seit ich zur Schule gehe, habe ich immer Musik gemacht. Vor 9 Jahren habe ich mit Cellounterricht begonnen und auch ab und zu in einem Orchester mitgespielt. Inzwischen versuche ich auch, Sätze zu schreiben und Lieder zu arrangieren (da sieht man auch schon, wo mein Interesse an Multimedia in KDE herkommt). Ich singe auch sehr gerne, am Dillenburger Gymnasium gibt es einen sehr fähigen Chorleiter und es hat mir immer sehr viel Spaß gemacht, da mitzumachen. Als Zivi ist es mir nun leider nur noch selten möglich, zu den Proben zu kommen.
Wenn das Wetter gut genug ist, fahre ich auch gerne mal Fahrrad. Das ist auch ein wichtiger Ausgleich.
Vielen Dank für das Interview und Deine Teilnahme an der "Anwendung des Monats" :-)
Bitte, gerne.
[ Edit ]
KDE für deutschsprachige Benutzer