Anwendung des Monats - KSteak!
Klaus Stärk hat den Maintainer von KSteak, Michael Heidecke, interviewt:
Wie hast Du das Projekt KSteak ins Leben gerufen und wer ist außer Dir noch an der Entwicklung von KSteak beteiligt?
KSteak entstand ganz zufällig. Auf der Suche nach einem de-en Wörterbuch bin ich auf Steak, ein simples Wörterbuch für die Konsole, gestossen. Für das Arbeiten unter X11 hatte der Steak-Author, Razi Lotfi-Tabrizi, das Gtk-Frontend XSteak entwickelt. Was mir fehlte, war die Einbindung in meinen Standard-Desktop - KDE. Nach einen Blick in die Sourcen portierte ich XSteak nach KDE (1.0) und nannte es einfach "KSteak". Die "One Click" übersetzung implementierte ich dann in der nächsten Version einfach durch ein System-Tray Objekt, das die jeweilige übersetzung in einem Tooltip anzeigte.
Später kam Olaf Hartig zum Projekt hinzu. Er steuerte zahlreiche Ideen und Bugfixes bei und entwickelte das Plugin für den Konqueror. Weitere Unterstützung bekam ich von Marcus Gründler, der einen Teil der englischen Dokumentation beisteuerte.
An welchen anderen OSS- und KDE-Projekten bist Du sonst noch beteiligt?
Zur Zeit ist KSteak die einzige Anwendung, die ich veröffentlicht habe. Ich habe allerdings Ideen für weitere Tools, die ich unter KDE nach wie vor vermisse.
Was war die Entscheidung für Dich, KSteak als Teil von KDE zu entwickeln?
Zwei Gründe waren für die Entwicklung für das KDE entscheidend: Zum einen fehlte mir die Integration von XSteak (Gtk) ins KDE. Zum anderen experimentierte ich schon länger mit den Qt-/KDE-Bibliotheken. Aufgrund des einfachen und übersichtlichen API und der hervorragenden Dokumentation war das Programmieren relativ einfach.
Welche Neuerungen gab es beim aktuellen KSteak-Release gegenüber älteren Releases fuer KDE 2?
Größtenteils sind es Anpassungen und Erweiterungen an die neuen Features der Qt/KDE-Bibliotheken, wie der systemweite Shortcut oder die automatische Überwachung des Clipboard-Inhalts. Olaf hat noch einige Debug-Funktionen für das Plugin geschrieben.
KSteak beherrscht derzeit "nur" die von Steak unterstützten Sprachen Deutsch und Englisch. Gibt es Pläne, KSteak neben diesen beiden Sprachen auch auf andere Sprachen wie zum Beispiel Italienisch, Spanisch oder Französisch auszurichten?
Anfangs war KSteak nur als KDE-Frontend für Steak vorgesehen. Der entscheidene Vorteil lag für mich in der Verwendung von Steak unter KDE als auch auf der Konsole (die ich häufig benutze). Die Idee der Unterstützung anderer Sprachen kam erstmals von Olaf. Er schrieb daraufhin auch den Code so um, dass das Backend austauschbar ist. Prinzipiell ist KSteak also schon jetzt vorbereitet.
Ins Stocken geriet das Projekt bei der Wahl des Dateiformates. Das Problem sind die zahlreichen GPL-Wörterbücher, die größtenteils im Textformat vorliegen. Die Verarbeitung großer (nichtindizierter) Textdateien ist so nicht besonders effektiv und das Durchsuchen eines Wörterbuchs mittels "grep" stellt auch nur eine sehr unbefriedigende Lösung dar.
Welche weiteren Pläne hast Du im Augenblick für KSteak noch auf Deiner ToDo-Liste stehen?
Für die Version 1.0 stehen noch einige Überarbeitungen an. So ist beispielsweise die Geometrie des Popup-Fensters nicht immer perfekt. Weiter werde ich den internen Aufruf von Steak durch eine KDE-Klasse ersetzen. Das Plugin wird ebenfalls noch kleinere Änderungen bringen. So fehlt hier beispielsweise noch eine Fehler-Behandlung, die KSteak ggf. automatisch startet.
An der Funktionalität selbst wird sich wohl nicht mehr viel ändern. Für eine Version mit mehreren Sprachen und der damit verbundenen Trennung von Steak werden wir wohl einen neuen Namen brauchen...
Wie denkst Du über die derzeitige Entwicklung zur Verbreitung von Linux/KDE im Desktopbereich ? Wie wird sich diese Entwicklung Deiner Meinung nach weiter fortsetzen?
Ich denke, mit KDE ist ein wichtiger Grundstein für die Verbreitung von Linux als Desktop-OS gelegt. Unbestritten ist der Einfluss von KDE auf den Linux-Hype der letzten Jahre. Auch wenn es den Kritikern nicht gefällt, Linux wäre ohne einen "grafischen Standard" auf dem Desktop nicht zu etablieren.
Entscheidend für die Akzeptanz auf dem Desktop ist aber u. a. die Austauschbarkeit von Daten. Gerade im Office-Bereich mangelt es leider noch immer an der konsequenten Nutzung bereits existierender Standards (z. B. RTF). Die neuesten Entwicklungen, wie KOffice, sind zwar sehr beeindruckend, aber ohne plattformübergreifenden Dokumentenaustausch nur beschränkt nutzbar. Ich denke, in diesem Bereich ist mehr Aufklärungs- denn Entwicklungsarbeit gefordert.
Generell sehe ich Linux als geeignetes OS für fast jeden Einsatzzweck, da es sich individuell vom Server bis zum embedded system anpassen läßt.
Kennst Du konkrete Beispiele aus Deiner beruflichen Umgebung, in denen Linux/KDE auf breiter Basis auf Desktop-Rechnern eingesetzt wird?
Ja, wobei es dies überwiegend der Fall ist, wenn Administratoren entscheidenden Einfluss auf die Wahl der Software haben (z. B. Hochschulen) ;-) Aber auch hier ist die Entscheidungsfreiheit beschränkt. Noch immer sind (zu) viele "Speziallösungen" nur unter einem OS lauffähig.
Setzt Du Dich für die Verbreitung von Linux/KDE in Deiner Umgebung besonders ein und wenn ja, wie?
Soweit möglich, ja.
Wie ist die Hardware-Konfiguration Deines Computers und welche Linux-Distribution setzt Du für Deine Arbeit ein?
Hauptsächlich arbeite ich auf meinem Notebook (PIII 1GHz, 512 MB). Als Distribution verwende ich Debian (woody).
Wie bist Du zum Programmieren gekommen, und was würdest Du jemandem raten, der jetzt damit anfängt?
Begonnen hat alles auf einem "Home-Computer" mit Basic. Auf dem ersten Familien-PC (8088) habe ich dann begonnen, mich mit Pascal und C zu beschäftigen. Der GNU Compiler + Tools waren dann auch das entscheidene Kriterium für den kompletten Umstieg auf Linux. So kamen später schrittweise weitere (Skript)Sprachen, wie Perl, hinzu. Den Rest gibt es bei jedem technischen Ingenieursstudium gratis ;-)
Einsteigern kann ich nur die Nutzung geeigneter Literatur und sämtlicher Informationsquellen des Internets empfehlen. Nicht zu unterschätzen ist auch der Lerneffekt beim Studium fremder Quelltexte.
Hattest Du schon einmal die Gelegenheit, andere KDE-Entwickler "im richtigen Leben" kennenzulernen?
Nein, leider nicht. Die meisten Leute kenne ich lediglich von der elektronischen Korrenspondenz (Maillinglisten etc.).
Und wirst Du den Linuxtag 2002 in Karlsruhe besuchen?
Noch ungewiss.
Wieviel Zeit verbringst Du pro Tag oder pro Woche mit der Arbeit am KDE-Projekt?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. In der Regel finden sich am Wochenende einige Stunden zum Programmieren. Viel Zeit vergeht allabendlich aber auch beim Lesen von EMail und News.
Was macht Michael Heidecke in seiner Freizeit, wenn er nicht gerade am Programmieren für das KDE-Projekt ist?
Ich versuche, meine Freizeit je nach Wetterlage auf meine Hobbies aufzuteilen. So ist der Computer und Linux (nicht nur beruflich) fester Bestandteil meines Lebens. In den Sommermonaten schone ich lieber meine Augen und fahre mit dem Fahrrad oder Inline-Skates durch die Natur.
[ Edit ]
KDE für deutschsprachige Benutzer