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Anwendung des Monats - KShisen!

Klaus Stärk hat den Betreuer von KShisen, Mario Weilguni, interviewt:

 

Woher stammt der Name KShisen beziehungsweise Shisen-Sho und was kannst Du uns über den eigentlichen Ursprung dieses Spiels erzählen?

Eigentlich weiß ich praktisch nichts über die Ursprünge. Es fanden sich zur Zeit der Programmierung praktisch keine Informationen über Shisen-Sho im Netz, und die wenigen Seiten waren zumeist in Koreanisch oder Japanisch. Es ist in Japan scheinbar ein recht populäres Spiel, "Shisen" ist der japanische Name der chinesischen Provinz "Sichuan".

Was war der Anstoß für Dich, das Brettspiel Shisen-Sho als Computerspiel zu programmieren?

Die Idee kam in den Anfangszeiten von KDE, wenn ich mich recht entsinne noch vor dem Erscheinen der Version 1.0. Da hatte ich mit einem KDE-Frontend von "gnuchess" rumgespielt, aber ich bin eigentlich auch nicht der Typ, der Schach spielt, mir ist das zu langwierig. Da bin ich mal ein bischen auf die Suche gegangen, was beim SuSE Linux so an Spielen installiert ist, und habe auch im Internet gesucht. Irgendwie bin ich dabei auf XShisen gestossen, ein freies Programm basierend auf den X11 Athena Widgets (also zum Umkippen häßlich), aber das Spiel war irgendwie - obwohl von den Regeln her trivial - doch sehr spannend.

Von KDE gab es bereits KMahjongg, also waren schöne und frei verfügbare Tilesets bereits vorhanden. Also habe ich mich an einem langweiligen Samstag Nachmittag hingesetzt und wollte eigentlich nur mal so 2-3 Stunden anfangen, aber habe dann doch noch bis etwa 20 Uhr am Abend rumgebastelt. Zu diesem Zeitpunkt war - von kleineren Änderungen und Korrekturen abgesehen - die KShisen Version des KDE 1.0 fertig.

Und was war der Grund, das Spiel als KDE-Anwendung zu erstellen?

Nun, KDE war mir ja von KReversi schon bestens bekannt, wobei ich es erstaunlich fand, wie einfach man mit KDE/Qt grafische Oberflächen programmieren konnte. Unter UNIX hatte ich zu diesem Zeit nur Erfahrungen mit Tcl/TK, und dort ist es äußerst mühsam, brauchbare und vor allem stabile GUI's zu bauen.

Hast Du weitere Features für das Spiel KShisen geplant?

Nein, es sind keine weiteren Features geplant. Ich habe mir schon oft mal vorgenommen das Problem "Lösbare Spiele" und Gravity zu beheben, aber habe mich nie dazu aufraffen können. Eigentlich wollte ich es über den Sommer hinweg mal überarbeiten, sofern ich Zeit dazu finde.

Arbeitest Du neben KShisen noch an anderen Teilprojekten des K Desktop Environment?

Ich habe an einigen KDE Projekten gearbeitet, darunter Reversi, Shisen-Sho und noch einigen Spielen, als auch wirklich "sinnvolle" Arbeiten wie zum Beispiel Arbeit KPPP, KMail und an den Core-Libraries. Aber am meisten Interesse hatte ich an der Erhöhung der Benutzerbarkeit von KDE, sowohl was Usability als auch Geschwindigkeit anging.

Auf meiner Webseite habe ich mal eine Idee bezüglich Ressourcen-Einsparung mittels Libraries präsentiert (Executable Shared Libraries). Die Idee wurde aufgenommen und von anderen KDE Mitgliederen (ich glaube Waldo Bastian) in der heute noch verwendeten Form von kdeinit implementiert und weiterentwickelt.

Hattest Du schon einmal die Gelegenheit, andere KDE-Entwickler "im richtigen Leben" kennenzulernen?

Ja, ein anderer KDE Entwickler, Reginald Stadlbauer, ist ebenfalls aus Graz, und wir haben uns vor Jahren mal auf ein Bierchen getroffen und über KDE geplaudert. Mittlerweile arbeitet er meines Wissens nach bei Trolltech.

Wieviel Zeit verbringst Du pro Tag oder pro Woche mit der Arbeit am KDE-Projekt?

Seit etwa 1 1/2 Jahren habe ich mich praktisch völlig von der KDE-Entwicklung zurückgezogen, da ich beruflich bedingt kaum zu was komme. Ab und zu reizt es micht aber schon mal, wieder reinzuschnuppern, es hat sich ja auch allerhand getan in den letzten Versionen von KDE.

... und mit dem Spielen von KShisen? ;-)

Ich selbst spiele eigentlich überhaupt nicht mehr Shisen Sho, und habe es auch nie sonderlich häufig gespielt. Allerdings ist meine Freundin vom Spiel oft gar nicht mehr wegzukriegen (eine Windows Version), und hat mich schon öfters gebeten, die KDE Variante mit der "Gravity"-Option nach Windows zu portieren.

Die Verbreitung von linuxbasierten IT-Strukturen schreitet sowohl für Server- als auch für Desktop-Systeme sehr positiv voran. Kannst Du uns hier von Beispielen aus Deiner Umgebung erzählen?

Nun, auf Linux im Server-Umfeld zu stoßen, ist ja nichts Neues und ich verwende es auch täglich. Im Desktop-Bereich sieht das noch allerdings ganz anders aus. Vor etwa vier Jahren habe ich für eine Firma ein Projekt realisiert mit X11 als Desktop, eine Art Internet-Kiosk. Das war damals noch mit Tcl/TK (KDE war da noch nicht soweit) und Netscape, und ich muss sagen: die Erfahrungen von damals sprachen eher nicht für den Einsatz.

Mit einem heutigen KDE würde das sicher ganz anders aussehen, und ich glaube, dass KDE in einigen Bereichen große Zukunft hat, allerdings weniger im privaten Desktop-Bereich, sondern eher im Bereich Behörden und Firmen.

Und welche Hardware und Linux-Distribution setzt Du für Deine Arbeit ein?

Die Hardware wechselt ja recht häufig, momentan habe ich einen Athlon XP / 768MB RAM. Als Distribution verwende ich für mich SuSE (momentan 8.0), in der Firma eher Redhat.

Danke schön fuer das Interview!

[ Edit ]

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