Anwendung des Monats - KNotes!
Klaus Stärk hat den aktuellen Maintainer von KNotes, Michael Brade, interviewt:
Wie bist Du zum KDE-Projekt gekommen und wie bist Du neben Deinen Arbeiten an KNotes noch in das Projekt mit eingebunden ?
Den allerersten Kontakt mit KDE hatte ich in irgendeiner Uni (muss wohl ein Tag der offenen Tür gewesen sein - ich hab's vergessen), dort zeigte mir ein Freund KDE 1.0 und meinte, dass dies die Zukunft für Unix werden würde. Danach war eine längere Pause, bis ich schließlich selbst einen Computer besaß und nach einem halben Jahr Windows-Geplänkel das erste Mal Linux, mit KDE-Desktop 1.1, installiert habe. Für ca. 1 Jahr war ich einfach nur "User", obwohl ich gelegentlich mal in die kde-devel und kde-core-devel Listen schnüffeln konnte (das war auch die Zeit, da ich den Namen "David Faure" das erste mal hörte, irgendjemand antwortete nämlich auf eine hilfreiche Mail von ihm etwas wie "oh, you're in good mood today", woraus ich schloß, dass er schwer im Umgang sei - was sich jedoch sehr schnell als falsch herausstelle ;) Mit dem Release von Qt 2.0.0 begann ich, die täglichen Snapshots von KDE 2 zu kompilieren und eigene kleine KDE-Programme zu schreiben.
Zum KDE-Projekt in Form eines Entwicklers bin ich über KNotes selbst gekommen. Eines Tages (noch vor KDE 2.0 final) sendete ich einen Bugreport für KNotes an die kde-devel-Liste und bekam als Antwort einen Patch von Wynn Wilkes, dem ehemaligen Maintainer von KNotes. Ich fügte ein paar Zeilen hinzu und versuchte, den nächsten Fehler, den ich fand, selbst zu fixen. So bekam ich schließlich Schreibrechte für kde-core-devel, anschließend einen CVS-Account und nun bin ich voll dabei :-)
Neben KNotes arbeite ich sehr gerne am Konqueror und schreibe im Moment einen Cache für den KDirLister. Wenn es die Zeit irgendwann erlaubt, würde sich David wohl sehr über einen weiteren KWord-Entwickler freuen, mal sehen...
Wie aktiv sind Deine Entwicklungsarbeiten zur Zeit und welche Pläne hast Du für die zukünftige Entwicklung von KNotes ?
Die letzten drei Monate kam ich leider kaum zu irgendwelchen Programmierarbeiten, da ich für mein Vordiplom zu lernen hatte. Inzwischen kann ich aber endlich wieder meine ganze Energie (ein wenig geschwächt nur durch das Studium ;) für KDE verwenden!
Da die größte Priorität auf den geplanten kio-Änderungen liegt, wird KNotes ein wenig hinten anstehen, aber ich hoffe trotzdem, bis zur Version 3.0 das "rich text feature" fertigstellen zu können. Damit soll es möglich sein, verschiedene Schriftarten und mehrere Farben, evtl. sogar Bilder und Links, in einer Notiz zu verwenden.
KNotes ist neu zu den KDE-PIM-Applikationen hinzugestossen (KDE Personal Information Management, http://pim.kde.org/). Welche Vorteile bietet Dir diese Plattform für die Weiterentwicklung von KNotes ?
Der größte Vorteil ist wohl, dass die KDE-PIM-Entwickler nun Notiz von KNotes nehmen ;-) Der Rest der Integration kommt dann ganz von alleine...
Hattest Du schon einmal die Gelegenheit, andere KDE-Entwickler "im richtigen Leben" kennenzulernen ?
Na klar! Messen, wie der LinuxTag, die Systems und die Linux World Expo waren wie geschaffen dafür. Und es ist wirklich ein Erlebnis, andere Entwickler mal "live" zu sehen, denn die Kommunikation allein durch das Lesen und Schreiben von E-Mails schafft doch ein ziemlich trügerisches Bild ;) Außerdem hebt es den Spaß und die Qualität des Entwickelns für KDE, wenn man nicht mehr nur mit anonymen Leuten zu tun hat.
Hast Du vor, das FOSDEM-Treffen zu besuchen, um andere KDE-Entwickler zu treffen ?
Auf jeden Fall. Ich hoffe immer noch, dass kein Prof auf die dumme Idee kommt, genau an diesen Tagen eine Prüfung schreiben zu wollen... schließlich wäre es die erste Gelegenheit, David Faure kennenzulernen! Aber bis jetzt sieht es gut aus.
Wieviel Zeit verbringst Du pro Tag oder pro Woche mit der Arbeit am KDE-Projekt ?
Unter 2 Stunden pro Tag geht da gar nix ;) Ok, meistens sind es ca. 3-4 Stunden, aber es gibt leider auch Tage, an denen ich nicht eine Minute vor der rauschenden Kiste verbringen kann. Und sehr, sehr viel Zeit geht immer noch durch das Lesen der Mails drauf.
Welche Verbreitung hat KDE als Desktop-Umgebung auf den Rechnern Deiner Umgebung (privat und / oder bei der Arbeit) ?
Es existiert ausschließlich KDE in meinem Leben, privat habe ich gar kein Windows mehr und in der Universität sind sowieso alle Rechner mit Linux/KDE 2 bestückt.
Setzt Du Dich für die Verbreitung von Linux/KDE in Deiner Umgebung besonders ein und wenn ja, wie ?
Aber sicher, ich versuche absolut jeden Windows-, aber auch Linux-Nutzer, der noch kein KDE verwendet, zu konvertieren :) Bis auf ein paar Ausnahmen klappt das auch ganz gut und in meiner Uni habe ich schon den Ruf des KDE-Missionars: wenn mich jemand von der Rechnerbetriebsgruppe nicht gerade alleine vor einem Bildschirm sitzen sieht, kommt nicht selten der Kommentar "da schau mal, schon wieder unser KDEler, versucht unschuldige Studenten zu missionieren. Mach doch mal was Gescheites! ;)".
Für welche Zwecke setzt Du KNotes selbst ein ?
Für kurze Notizen, wie URLs, neue Programme, die ich auf Freshmeat gefunden habe und später ausprobieren will oder in der nächsten Zeit zu erledigende TODOs. KNotes ist also, neben BASH, Konsole und KWin, das von mir meistgenutzte Programm :-)
Wie denkst Du allgemein über die Zukunft von "Linux und KDE auf dem Desktop" ?
Optimistisch. Was genau, sage ich lieber nicht, vielleicht geht's dann in Erfüllung ;)
Welche Werkzeuge setzt Du bei Deiner Arbeit mit KDE regelmaessig ein ? Gibt es dabei so etwas wie ein "Lieblingswerkzeug" ?
Hmm, es waren einmal Nedit, KWrite und Kate, aber im Moment hat es der vim auf mich abgesehen. Mal sehen, vielleicht lande ich ja auch irgendwann beim XEmacs ;-)
Wie bist Du zum Programmieren gekommen, und was würdest Du jemandem raten, der jetzt damit anfängt?
Ohh, das ist schwierig... Zuerst der leichte Teil: mit 14 Jahren habe ich zum erstem Mal am Atari ST GFA-Basic gestartet, ein paar Programme abgetippt und danach ein wenig verändert. Lange Zeit war GFA-Basic (mit etwas Assembler) für mich das ein und alles, erst nach etwas mehr als 4 Jahren, als mir die Grenzen des GFA-Basic so richtig klar wurden, war C++ genau das, was ich suchte.
Nach meiner Erfahrung würde ich jedem Anfänger als erstes zu einer imperativen Programmiersprache raten. Auch ist es sehr sinnvoll, zuerst ein paar Programme einfach nur abzuschreiben und zu versuchen, sie zu verstehen. Damit bekommt man ein Gefühl für die Sprache und die Art, mit dem Computer zu "reden".
Wie ist die Hardware-Konfiguration Deines Computers und welche Linux-Distribution setzt Du für Deine Arbeit ein ?
Tja, ich nutze immernoch meinen ersten PC, den ich nach der Zeit des Atari ST bekam, einen PII mit 400MHz, 192 MB RAM und einer 20GB HD. Vor kurzem beehrte mich eine weitere 40GB HD, sodass Plattenplatz nun kein Problem mehr ist. Als Distribution habe ich bis jetzt ein SuSE Linux 7.0 laufen, an dem inzwischen fast alles selbstkompiliert ist - einzig und allein die Struktur des Filesystems ist SuSE-spezifisch geblieben. Nun bin ich aber auf den Geschmack von Debian gekommen und habe inzwischen Debian unstable installiert. Wenn die Testphase gut läuft, werde ich SuSE Linux von meiner Platte räumen.
Was macht Michael Brade in seiner Freizeit, wenn er nicht gerade am Programmieren für das KDE-Projekt ist ?
Nun, wenn ich nicht gerade Vorlesung habe, dann sitze ich entweder vor dem Computer und spiele mit Linux, oder gehe nach Penzberg in meinen Karate-Verein, in dem ich seit ca. 6 Jahren Jiujitsu- und Zen-Do-Karate lerne. Seit zwei Sommern habe ich eine Leidenschaft, die sich Windsurfen nennt und die ich wohl nie wieder los werde... Da kommt selbst Skifahren und Snowboarden nicht mit :-)
[ Edit ]
KDE für deutschsprachige Benutzer