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Anwendung des Monats - KNewsticker!

Interview mit dem Betreuer von KNewsticker, Frerich Raabe:

 

Wie bist Du zum KDE-Projekt gekommen und mit welchen Aufgaben innerhalb des KDE-Projekts beschäftigst Du Dich?

Ich bin vor 2 1/2 bis 3 Jahren zu KDE gekommen. Damals hat mich der miserable Zustand der deutschen KDE-Webseiten gestört und ich habe zufällig eine eMail von Malte Knörr gelesen, in der nach Verstärkung für die Seiten gebeten wurde. Anfangs war ich noch relativ viel mit den Webseiten beschäftigt (~2 Stunden pro Tag) - aber nach einiger Zeit hat sich mein Schwerpunkt zum Programmieren hin verschoben, was ich auch schon früher (das heißt: unter DOS und Windows) gemacht habe.

Mittlerweile habe ich verhältnismäßig wenig mit den deutschen KDE-Webseiten zu tun (vielleicht 1 Stunde pro Woche). Zwischenzeitlich habe ich etwas beim Übersetzen der KNode-Dokumentation geholfen, aber mittlerweile bin ich zu 95% mit der Programmierung beschäftigt. Bei mir kann man sich wegen KNewsTicker oder der Fuzzy Clock (einem Modus des Uhr-Applets in der Kontrollleiste) beschweren. Mittlerweile bin ich zusammen mit Cornelius Schumacher auch stark in der KHelpCenter Entwicklung involviert.

KDE bedeutet für mich ...

Spaß. Ich programmiere gerne, ich arbeite gerne mit Menschen aus anderen Ländern zusammen, ich lerne gerne neue Menschen kennen - ich lerne generell gerne. Das alles läßt sich in "KDE bedeutet für mich Spaß" zusammenfassen. :-)

Und aus technologischer, wirtschaftlicher und politischer Sicht?

Technologisch - ich muss sagen (gestehen?), dass ich mir nicht sonderlich viel aus dem "OpenSource auf den Desktop"-Gedanken mache. Auch wenn Microsoft's Geschäftsethik teilweise arg fragwürdig ist, benutze ich jeden zweiten Tag Windows. Ich benutze immer das Werkzeug, mit dem ich die Arbeit am einfachsten und angenehmsten bewältigen kann. Wirschaftlich und politisch habe ich überhaupt kein Interesse, irgendein Betriebssystem auf "dem Desktop" zu sehen, solange ich die Wahl habe.

Du hattest auf dem Linuxtag 2002 in Karlsruhe die Gelegenheit, andere KDE-Entwickler zu treffen und Dich über das Projekt (und selbstverständlich auch über andere Themen) auszutauschen und zu informieren. Welche Eindrücke hast Du vom Linuxtag mitgenommen?

LinuxTag ist schön, um die anderen KDE-Leute zu sehen und sich über andere OpenSource-Bereiche zu informieren, zum Beispiel: wie sieht's bei SAP, IBM oder HP bezüglich OpenSource aus? Was läuft bei denen auf dem Desktop? :-).

Für das eigentliche Entwickeln ist so eine Messe aber nicht so angebracht - zuviel Fragen von Besuchern, zuviel Hektik, aber insofern wüsste ich auch nicht, was ich am LinuxTag kritisieren sollte - soweit ich das beurteilen kann, wurde genau die angepeilte Zielgruppe angesprochen, und besonders am Wochenende war's ziemlich voll. :-)

Um sich generell auf KDE zu konzentrieren (im Gegensatz zu "KDE repräsentieren", was beim LinuxTag der Fall ist) sind wohl eigene KDE-Treffen besser, wo sich dann 10 oder 15 Leute treffen und Tag und Nacht an KDE arbeiten.

Und hattest Du schon einmal die Gelegenheit, an einem KDE-internen Entwickler-Treffen teilzunehmen?

Nein.

Welche weiteren Features hast Du für den KNewsticker in Planung?

Gar keine. Ideen habe ich genug, aber nicht mehr sonderlich viel Motivation - KNewsTicker kann alles, was ich erwarte, insofern werde ich bei Gelegenheit noch ein paar Bugs beheben aber sonst nichts mehr - was aber andere Leute nicht davon abhalten soll, mit KNewsTicker zu experimentieren. Meiner Meinung nach wäre es sogar ein guter Einstieg in die KDE-Programmierung, weil eine Vielzahl an KDE-Technologien in KNewsTicker vereint sind: Kicker Applets, KControl Module, DCOP, .desktop-Dateien zum Beispiel, und ich würde gerne beim Einstieg helfen, wenn möglich.

KNewsTicker ist zwar überraschend populär, nimmt aber mittlerweile praktisch keine Zeit mehr in Anspruch. Ich arbeite an neuen Projekten, zum Beispiel dem KDE HelpCenter oder einer grafischen Oberfläche für das BSD Ports System (siehe dazu http://frerich.ath.cx/barry), welches seit Gentoo anscheinend wieder "in" ist. :-)

Also gleich bei Frerich melden, wer in die KDE-Programmierung einsteigen möchte! :-) Welche Tips und Hilfen kannst Du Interessenten für den Einstieg in die KDE-Programmierung noch mitgeben?

Als erstes würde ich mich mit Qt beschäftigen. Qt ist das Fundament von KDE, und wer will schon "auf Sand bauen" ;-). Dafür würde ich mir die Qt Tutoriale anschauen (siehe Tutorial 1 und Tutorial 2).

Wenn man sich dann in die elementaren Techniken wie "Hauptfenster anzeigen", "Nachrichtendialog öffnen", "Datei speichern" und so weiter eingearbeitet hat, kann man sich wohl KDE zuwenden, zum Beispiel, in dem man sich einige der KDE Tutoriale zu Gemüte führt (ein paar davon sind auf developer.kde.org zu finden).

Zu diesem Zeitpunkt würde ich mir auch unbedingt einen guten Mentor suchen, das heitßt: Leute, die sich in der Materie auskennen und fit sind - dafür bietet sich ein Besuch im #kde-Chatroom auf irc.kde.org an. Leider sind die KDE-Dokumentationen bei weitem qualitativ wie quantitativ nicht so hochwertig wie die Qt Dokumentationen, insofern werden öfters Fragen auftauchen, die man am einfachsten mit einem Mentor besprechen und klären kann.

Um auf Deine Tätigkeit im Projekt "KDE HelpCenter" sprechen zu kommen: welche Aufgaben übernimmst Du dort konkret und was kannst Du uns über das Projekt erzählen?

Ich refaktorisiere KHelpCenter im Moment, das heißt: ich verbessere das Design des Codes, ohne die eigentliche Funktionalität zu verändern.

Außerdem habe ich bis jetzt eine Reihe neuer Features eingebaut, zum Beispiel das Glossar, das Inhaltsverzeichnis für die Handbücher der einzelnen Anwendungen, "Plugin Dokumentationen" (das heißt: KHelpCenter kann die Dokumentationen von Kicker Applets oder Plugins für Noatun beziehungsweise Konqueror anzeigen).

Es gibt noch eine ganze Reihe von Ideen, die noch nicht realisiert wurden, aber ich traue mich jetzt nicht, in's Detail zu gehen, damit nachher keiner sagen kann "Erst habt ihr's groß angekündigt, und jetzt ist doch nichts draus geworden!" ;-)

Hast Du für Deine Programmierarbeit immer dieselbe Vorgehensweise oder organisierst Du Deine Arbeit lieber spontan?

Eigentlich immer die gleiche Vorgehensweise: wenn mich eine Idee besonders anspricht, fange ich automatisch an, in meinem Kopf ein "Design" zu entwerfen. Damit meine ich weniger, wie die grafische Oberfläche für das Programm aussieht, sondern vielmehr, wie ich das Problem (zum Beispiel "Grafisches Frontend für BSD Port Systeme", was mein momentanes Projekt ist und auf http://frerich.ath.cx/barry belächelt werden kann [das bisschen Eigenwerbung konnte ich mir jetzt partout nicht verkneifen ;-)]) sinnvoll in Teilprobleme zerlegt werden kann, und wie diese dann abstrahiert werden können - kurz: wie die Klassen, aus denen ein C++ Programm besteht, interagieren, wie die Schnittstellen aussehen, welche Klasse für was verantwortlich ist.

Ich plane allerdings nicht großartig, das heißt: ich zeichne mir keine Diagramme auf Papier auf oder so. Diese erste Planungsphase, in der ich mir richtig Gedanken mache, dauert meistens zwei oder drei Stunden, dann kann ich mich nich länger halten, starte vim und fange an zu tippen. ;-) Ab dann ist es ein ziemlich iterativer Prozess - programmieren, kompilieren, testen, überdenken, programmieren... im Gegensatz zu früher (das heißt: als ich angefangen habe, an KDE zu arbeiten) verbringe ich heute viel mehr Zeit mit der Refaktorisierung von existierenden Systemen, das heißt ich programmiere, teste, refaktorisiere, programmiere - diesen Zyklus ein paar Mal, bevor ich ein neues Feature hinzufüge (wie sich herausgestellt hat, kommt das der Stabilität meiner Programme sehr zu Gute).

Man kann also nicht sagen, dass ich großartige Planungsphasen in meinem Entwicklungsprozess habe, aber ganz ohne geht's auch nicht. ;-)

Was machst Du in Deiner Freizeit, wenn Du nicht für das KDE-Projekt programmierst?

Ich verbringe meine Freizeit meistens mit Freuden, zum Beispiel beim Inline Skaten - und in dieser Freizeit versuche ich, einen großen Bogen um Computer zu machen, sondern mich einfach nur zu entspannen und die Stimmung zu genießen.

Wir gehen oft in's Kino (letzer Film den wir gesehen haben: Men In Black 2) oder leihen uns DVDs aus. Ich treibe aber nicht großartig Sport im Verein oder etwas in der Richtung.

Danke schön für das Interview!

Gern geschehen! :-)


Frerich Raabe ist per E-Mail unter der Adresse raabe@kde.org zu erreichen. In der Reihe "Die Leute hinter KDE" ist ein Interview mit Frerich Raabe erschienen.

Das Interview zur Anwendung des Monats KNewsticker führte Klaus Stärk.

Eine Kurzbeschreibung zu KNewsticker finden Sie an dieser Stelle.

[ Edit ]

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