Anwendung des Monats - Noatun!
Interview mit Charles Samuels, dem Entwickler von Noatun. Das Interview wurde in der Zeit vom 27. August bis zum 15. September 2001 per E-Mail geführt. Das Interview fand in englischer Sprache statt und wurde für diese Webseite von Klaus Stärk ins Deutsche übersetzt. Die englische Originalfassung wurde auf dot.kde.org veröffentlicht.
Für was steht der Name NOATUN ? Ist das eine Abkürzung für etwas ?
Nein, das ist überhaupt keine Abkürzung. Der Name NOATUN ist an meinen Nicknamen im IRC angelehnt (Njaard - eine etwas falsche Buchstabierung des norwegischen Gottes Njord)
Wie hast Du das Projekt NOATUN ins Leben gerufen und wer war bezüglich der Programmierung noch an der Entwicklung beteiligt ?
Das Projekt NOATUN wurde am 26. August 2000 gestartet - zumindest war dies das erste Einbuchen ins KDE-CVS. Im März 2000 hatte ich mir Gedanken darüber gemacht, dass es da doch eine Medienwiedergabe geben muss, die einfach alles abspielen kann und die keine albernen Themen und Designs (Skins) hat.
Es hat sich ziemlich gut entwickelt und schon gegen Ende des Jahres war das Kernstück der Anwendung entwickelt und das Benutzerinterface und die Stückliste erstellt.
Das Ganze entwickelte sich sehr schnell, insbesondere, seit ich mit mir selbst ein Abkommen getroffen habe: ich werde kein einziges Musikstück abspielen - bis ich es mit NOATUN abspielen kann - und ich höre wirklich viel Musik. So kam es, dass ich noch in der selben Woche Musik hören konnte - nicht besonders gut, wohlgemerkt, denn die Stückliste funktionierte nicht richtig und das Benutzerinterface konnte noch nicht sehr viel in Bezug auf die Länge und den Titel des Liedes.
An welchen anderen OSS-Projekten bist Du sonst noch beteiligt ?
Ich bin noch an ein paar kleineren Projekten beteilgt, zum Beispiel "ITC" (zu finden bei freshmeat), das übrigens dazu entwickelt wurde, um es mir zu erleichtern, multithreaded Code für aRts zu schreiben.
Was war die Entscheidung für Dich, NOATUN als Teil von KDE zu entwickeln ?
Von Beginn an habe ich NOATUN in der Hoffnung entwickelt, dass es ein Teil von KDE werden würde. Kaiman war sehr unzulänglich und außerdem habe ich eine starke Abneigung gegen Themen (was eigentlich merkwürdig ist, denn ich habe den Themenmanager "KJofol" geschrieben, der vielleicht mal NOATUN's bester Themenmanager sein könnte). Kaiman war zu dieser Zeit außerdem ohne Betreuung und es fehlten sehr viele Features.
Du hast diese Woche die "Linux World Expo" in San Francisco besucht und durftest dort den Preis "Best Open Source Project" für das KDE-Projekt entgegennehmen. Wie hast Du das erlebt ?
Ja, das war nett. Ich kann nicht behaupten, dass ich sehr überrascht war - aber ich war ganz sicher erfreut - und die Tatsache, dass so viele KDE-Entwickler anwesend waren, unterstrich diese Freude.
Wie siehst Du die Zukunft von Multimedia-Anwendungen für KDE, vor allem von NOATUN. Was dürfen die Benutzer hier erwarten ?
Noatun wird besser werden. Wir arbeiten daran, Noatun mit Hilfe von Plugins viel mächtiger und erweiterbar zu machen. Es ist so konzipiert, dass eine riesige Anzahl an Features über Plugins eingebettet werden können - und mit KDE 3.0 wird gerade dieser Bereich weiter realisiert werden. Eben multimedia-mäßig: Unterstützung für weitere Formate, weitere Features und Effekte.
Welches ist Dein Lieblings-Feature von NOATUN ?
Wahrscheinlich, dass das Benutzerinterface ein Plugin ist. In der Tat benutze ich noch das Original-Interface (Milk Chocolate), wozu natürlich niemand gezwungen ist - obgleich das "Young Hickory"-Interface auch ganz nett ist.
Was machst Du in Deiner Freizeit, wenn Du nicht gerade am Programmieren für das KDE-Projekt bist ?
Diese Frage verstehe ich nicht ;-) Aber im Ernst: ich werde in einigen Monaten mein Studium beginnen und bis dahin werde ich nicht vom Programmieren ablassen können - bis ich einen Job bekomme *Wink-mit-dem-Zaunpfahl* Es gibt auch eine ganze Menge Nicht-KDE-Sachen, die ich geschrieben habe (von denen man erfährt, wenn man mich auf "irc.kde.org" antrifft).
Wie denkst Du über die Zukunft von "Linux auf dem Desktop" ?
Ich denke, dass Linux ein Betriebssystem für den Desktop ist - und es wird langsam aber sicher andere Betriebssysteme vom Markt räumen. Und mit der steigenden Popularität von Linux steigt auch die Popularität von KDE, gleichsam die von FreeBSD und dergleichen.
[ Edit ]
KDE für deutschsprachige Benutzer