Anwendung des Monats - KArm!
Interview mit Jesper Pedersen, einem der Entwickler von KArm. Das Interview wurde im Oktober 2001 per E-Mail geführt. Das Interview fand in englischer Sprache statt und wurde für diese Webseite von Klaus Stärk ins Deutsche übersetzt.
Wofür steht der Name "KArm". Ist das eine Abkürzung für etwas ?
Ich denke, es kommt aus der Punjabi-Sprache und steht für das Wort "Arbeit". Ich denke, der Hauptgrund, dass dieser Name gewählt wurde ist, dass er mit einem "K" beginnt ;-)
Wie bist Du zum KDE- und zum KArm-Projekt gekommen ?
In der Zeit von 1995 bis 1998 habe ich ein Werkzeug mit dem Namen "Dotfile Generator" entwickelt. Es handelt sich dabei um ein Konfigurationswerkzeug, das zur damaligen Zeit recht häufig eingesetzt wurde.
Es war in Tcl/Tk geschrieben und bestand aus nahezu 12.000 Zeilen Quellcode. Leider war Tcl (zumindest zur damaligen Zeit) eine schreckliche Sprache, um darin umfangreichere Anwendungen zu schreiben (zum Beispiel mangelte es an Datenstrukturen).
Im Jahr 1999 entschied ich mich dafür, meine Anwendung entweder auf KDE oder Gnome zu portieren. Meine persönliche Einschätzung der beiden Projekte sagte mir, dass die Leute bei KDE die freundlicheren sind, also entschied ich mich für KDE.
Dies gab mir teilweise enge Kontakte zu einem der ersten Mitglieder des KDE-Teams, namentlich Matthias Kalle Dalheimer. Damit begann eine Freundschaft, die sich auch dahingehend entwickelte, dass mir Matthias im Sommer 2000 anbot, in seiner bis dahin noch 1-Mann-Firma Klaralvdalens Datakonsult mitzuarbeiten.
Mein allererstes Projekt war, KArm - in Hinblick auf KDE2 - etwas auf den neuesten Stand zu bringen. Das war ein Aufwand von 7 Stunden, es war also nicht allzu viel, was ich dafür tun konnte. Es brachte mich jedoch auf die Idee, dass ich KArm weiter betreuen und erweitern könnte. Der Gedanke war, dass die Portierung meines Dotfile Generators eine recht langwierige Angelegenheit ist, die sich über mehrere Jahre hinzieht. Außerdem würde fast niemand ein Ergebnis sehen, bevor das Projekt zu Ende ist. Ich brauchte also etwas, das meinen Status als KDE-Entwickler hier und da rechtfertigt.
Unter anderem habe ich zum Beispiel die folgenden Dinge an KArm entwickelt:
- Anpassung an KDE2 inklusive einiger Aufräumarbeiten am Quellcode
- Hinzufügen der Möglichkeit, mehrere Tasks gleichzeitig zeitlich zu messen
- Verwaltung von Unteraufgaben
- das KArm Killer-Feature (das ich beim Gnome-Gegenstück "gtimer" abgeschaut habe): die Möglichkeit, Unterbrechungen zu bemerken und das Timing zurückzusetzen
- Visualisierung, dass KArm für einen Task die Zeit nimmt
- Hinzufügen der Docking-Möglichkeit an das K-Panel
- Hinzufügen von automatischem Speichern
- Hinzufügen der Möglichkeit, Einstellungen speichern zu können
Wie man sieht, ist keines der oben genannten Dinge ein besonders wichtiges Feature, jedoch gab es mir sehr tiefe Einblicke in die KDE-Entwicklung.
Bedingt durch die anderen KDE-Projekte, an denen ich mitarbeite, habe ich bemerkt, dass ich wenig Zeit habe, mich weiterhin um KArm zu kümmern. Aus diesem Grund habe ich die Betreuung für KArm an einen neuen Maintainer abgegeben. Der neue Mainteiner ist Tomas Pospisek. Zukünftige Änderungen, die Tomas in Angriff nehmen möchte, sind meines Wissens nach:
- die Integration in KDE-PIM
- Hinzufügen des Features, dass gestoppte Zeiten im XML-Format abgespeichert werden können und darüber hinaus die Möglichkeit, auf dieser Basis Berichte zu erstellen, zu welcher Zeit welche Tasks bearbeitet wurden.
In welchen weiteren KDE-Projekten bist Du mit einbezogen ?
Ich startete damit - wie bereits oben erwähnt - mit der Idee, den Dotfile Generator nach KDE zu portieren. Teilweise habe ich dieses Projekt wieder einschlafen lassen, da ich der Ansicht war, dass es in KDE nicht wirklich gebraucht werden würde.
Ich habe jedoch auch neue Projekte, an denen ich arbeite - hier ist besonders die Erstellung von 3 Widgets zu nennen. Zwei davon sind noch nicht fertiggestellt, das dritte jedoch wird derzeit gerade in KDE integriert. Screenshots der Widgets kann man hier sehen.
Für welche Zwecke setzt Du KArm selbst ein ?
Ich verwende es dazu, für meine tägliche Arbeit die Zeit zu stoppen. Einmal pro Woche reiche ich eine Zeitübersicht ein, lösche dann alle Tasks aus KArm und erstelle dann wieder neue Tasks. Das ist auch der Grund, warum ich das Feature mit dem XML-Export nicht benötigt habe und es darum auch nicht implementiert habe.
Wie denkst Du über die Zukunft von Linux und KDE als Desktop-Betriebssystem in Bezug auf den Marktanteil auf dem Desktop-Markt - und auch in Hinblick auf die Einführung von Windows XP im Oktober diesen Jahres ?
Ich weiss nichts über XP (eXtra Problems ? ;-)) - sorry. Ich mag einen Spruch von John "Maddog" Hall, den er mir als Antwort gab, als ich ihm eine ähnliche Frage stellte:
"Es gibt heutzutage etwa 300 Millionen Computerbenutzer und 5 Milliarden Menschen - das sind also etwa 4,7 Milliarden Menschen, die noch keinen Computer benutzen. Diese Menschen können sich keine teure Hardware leisten (oder Software, wenn sie dafür Geld ausgeben möchten). Für diese Menschen wäre Linux die offensichtliche Wahl. Es wird auch ältere Hardware unterstützt - probier doch mal, eine neuere Version von MS Windows auf einem alten 486er zum Laufen zu bekommen."
Das ist eine Antwort, die für Linux allgemein gilt - in Bezug auf KDE möchte ich folgendes hinzufügen: Vielleicht ist es nicht der 486er, der ein komplettes KDE bedient - aber früher oder später wird ein "Pentium Pro Giga Super Bla Bla" (was weiss ich, wie diese modernen Maschinen heute heißen) die Technik von gestern und sehr günstig zu haben sein. Dann werden diese Menschen beginnen, KDE zu benutzen - und dann haben wir eine gut betreute GUI auf einer günstigen Hardware.
Wieviel Zeit verbringst Du pro Tag oder pro Woche mit der Arbeit am KDE-Projekt ?
Das hängt ganz von meiner täglichen Arbeit, meiner Freundin, etc. ab. Ich schätze, dass es so zwischen 0 und 20 Stunden pro Woche sind - mit einem Durchschnitt von 7 bis 8 Stunden über das Jahr gerechnet.
Wie ist die Hardware-Konfiguration Deines Computers und welche Linux-Distribution setzt Du für Deine Arbeit ein ?
Ich arbeite auf einem Dual Pentium III 800 MHz (in Wirklichkeit ist es der Rechner meines Arbeitgebers ;-)). Zur Zeit habe ich eine SuSE-Distribution installiert - allerdings bin ich nicht sehr religiös, wenn es um die Wahl einer Distribution geht.
Was macht Jesper Pedersen in seiner Freizeit, wenn er nicht gerade für das KDE-Projekt arbeitet ?
Er genießt das Leben ! Ich liebe es, auf ein Bier auszugehen und andere Leute zu treffen - ich mag es aber auch sehr an einem windigen Tag gemeinsam mit meiner Freundin einen Strandspaziergang zu machen.
Eine Sache, die ich auf jeden Fall nie mache, ist fern zu sehen, nur damit die Zeit vorbeigeht. Kein Problem, wenn ein guter Film kommt - und sebstverständlich schaue ich auch die Nachrichten. Ich zappe jedoch nie einfach so durch die Kanäle. Während andere Menschen sowas machen, setze ich mich dafür an den Rechner und hacke für KDE oder chatte einfach mit anderen Entwicklern im IRC.
Vielen Dank für das Interview :-)
... war mir ein Vergnügen ;-)
[ Edit ]
KDE für deutschsprachige Benutzer